Release Tipp: LE UN – 25 pièces sans vide / UNRec
Stellt euch ein Klanglabor vor, in dem alle beteiligten Künstler gleichberechtigt sind. Es gibt keine Hierarchien und sie erkunden mit ihren künstlerischen Mitteln gemeinsam den Ort, an dem sie spielen werden. Alles ist offen, nichts ist festgelegt. Was für eine Dramaturgie werden wir hören und kann das funktionieren?
Ich finde, das geht ganz hervorragend. Mehr möchte ich nicht schreiben. Ich schätze die Musik, die das Ensemble LE UN kreiert, sehr, und kann allen nur empfehlen, sich die Zeit zu nehmen. Man muss ja nicht gleich mit den 50-minütigen Stücken beginnen. Lasst euch darauf ein und genießt diese Musik am besten mit Kopfhörern. Es ist ein einzigartiges Hörabenteuer!

3 CDs, die einen Überblick über das Schaffen von LE UN bieten: Improvisation in großen Ensembles (CD 1 & 2) in unterschiedlichen Akustikräumen, Improvisation in kleinen und mittelgroßen Ensembles (PME) sowie Auftritte im Freien an öffentlichen Orten (brigade d’intervention légère).
LE UN wurde 2012 auf Initiative von David Chiesa gegründet. Im Jahr 2019 wurde das Team neu formiert, um sich ausschließlich auf die sogenannte freie oder nicht-idiomatische Improvisation zu konzentrieren. Die wichtigsten Grundsätze sind: kein Rückgriff auf Partituren oder Regieanweisungen, und Improvisation wird nicht als Stil oder Genre betrachtet, sondern vielmehr als eine Haltung gegenüber dem Musizieren. Improvisation wirft auch Fragen nach dem Vergänglichen und der Unbeständigkeit auf: Die Musik hinterlässt Spuren, aber keine Beweise.
Von LE UN
Wir sind 25 Personen, darunter ein Lichtkünstler und ein Performer. Wir spielen auf verschiedenen Bühnen in unterschiedlichen Veranstaltungsorten oder Theatern, passen uns auch Ausstellungsräumen an und erfinden manchmal sogar „Geräte“, die die Improvisation in den Vordergrund rücken. Wir fühlen uns zunehmend dazu hingezogen, mit Ideen zu spielen, die über die der traditionellen Bühne hinausgehen, hin zu einem Ort, an dem das Ensemble als Ökosystem verstanden werden kann, wobei wir ethische Vorstellungen (die Verbindungen zwischen uns, unser Verhältnis zur Welt und zur Umwelt, unsere Entscheidungen zur Selbstorganisation…) und ästhetische Aspekte (das Akzeptieren oder Übernehmen von Verantwortung für die Widersprüche in unseren eigenen Praktiken, das Hinterfragen der Improvisation in all ihren Komponenten und das Hinterfragen der Praxis der Frontalität der Aufführung…) als Ausgangspunkte nehmen. Wir wagen uns in Kontexte vor, die uns herausfordern, wie das Spielen auf der Straße, auf einem Fluss, in Höhlen, in akusmatischen Situationen mit Lautsprecherprojektionen usw. Wir konfrontieren unsere Klänge, unsere flüchtigen Diskurse mit allen möglichen Arten der Erkundung. Ohne genau zu wissen, wohin wir gehen, glauben wir, dass das Gehen, Atmen, Fühlen und Schauen auch zu einem Ort spricht, der zu Recht musikalisch ist. © Texte: Liner Notes