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„Textvernichtungsmaschinen“ Kennt das Theater seine Grenzen nicht mehr? Von Stephanie Metzger

Was soll Theater? Was will oder kann es? Darüber wird gerade kontrovers diskutiert. Das ästhetische Experiment gerät mehr und mehr in Verruf. Viele Stimmen, auch solche von professionellen BetrachterInnen, stehen der Entgrenzung kritisch gegenüber. Zu Recht?

Das Theater ist gefräßig, es nimmt auf, was man ihm vorsetzt: Stücke und Romane, SchauspielerInnen und Laien, RegisseurInnen und Künstlerkollektive, Menschen und Puppen, DJs und Priester. Das Theater, ein Medium über den Medien. Ein Hypermedium, in dem alle anderen Medien zusammenkommen. Eine Situation, die Publikum, Bühne, Leben trennt, dieses Grenzen aber auch verschwimmen lässt. Ein Betrieb mit vielen einzelnen Gewerken, aber auch Lebensweisen jenseits von Strukturen. Das Theater ist also einfach alles. Oder doch eher ein aufgeblasenes Nichts?
Kritik gegenüber den Auflösungserscheinungen des Theaters als Institution, Arbeitsstruktur oder soziale Verortung ist immer öfter zu hören: Ob von einer Dramatikerin wie Katrin Röggla, die die hungrige Gier der Bühnen nach Romanstoffen als „Textvernichtungsmaschine“ beschimpft, die noch den längsten Roman auf zwei Stunden runterbricht. Ob von einem Theoretiker wie Bernd Stegemann, der sich angesichts der Wellen von Performances nach etwas nicht gerade Modernem zurücksehnt: der Dialektik eines epischen Theaters. Oder ob von Lilienthal-Kritikern, die ein grandioses Erbe bewahrt sehen wollen. Überall ist zu beobachten: Auflösungstendenzen treffen auf Widerstände, ästhetische Entgrenzung auf den Ruf nach Grenzen.

Im Gespräch mit Theaterschaffenden stellt der Essay von Stephanie Metzger die Frage nach Sinn und Unsinn der (ästhetischen) Grenzen, getreu dem Motto eines Kurt Schwitters: „Kunst ist Form und Form heißt entformeln.“

© Bayern 2, Nachtstudio, 21.5.2019
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