„Wie sagt man auf Deutsch?“ – Spracherkundungen mit dem Schriftsteller Tomer Gardi.

Mit seinem in gebrochenem Deutsch verfassten und vorgetragenen Text löste der israelische Autor Tomer Gardi beim Bachmannpreis im Jahr 2016 eine bemerkenswerte Debatte aus. Feature von Claudia Gschweitl.

Darf jemand, der das Deutsche nicht fehlerfrei beherrscht, überhaupt an einem solchen Wettbewerb teilnehmen? Wie viel Migrantensprache ist der schönen, deutschen Literatur zumutbar? Wo sind die Grenzen einer literarischen Integration? Eine literaturästhetische Frage wurde zum Politikum. Gardi, geboren in einem Kibbuz in Galiläa, lebte als Kind mehrere Jahre in Wien und studierte einige Zeit in Berlin. Er veröffentliche Texte auf Hebräisch, bevor er sich entschloss, eine Geschichte in einer Sprache zu schreiben, die er nie wirklich gelernt hat.

In seinem virtuos-aberwitzigen Großstadtroman „Broken German“ belebt und zerlegt er die deutsche Grammatik gleichermaßen und nimmt ihr die oftmals innewohnende Sperrigkeit. „Realismus schreiben nur Menschen mit einem festen Wohnsitz und einer Aufenthaltserlaubnis“, sagt Tomer Gardi und entwirft ein Plädoyer für die Sprachenvielfalt innerhalb einer Sprache. 2022 erhielt er für seinen zur Hälfte ebenfalls in gebrochenem Deutsch verfassten Roman „Eine runde Sache“ den Preis der Leipziger Buchmesse.



„Stein, Papier: Eine Spurensuche in Galiläa“, Rotpunktverlag 2013
„Broken German“, Droschl Verlag 2016
„Sonst kriegen Sie ihr Geld zurück“, Droschl Verlag 2019
„Eine runde Sache“, Droschl Verlag 2021

© Ö1, Tonspuren, 10.7.2022

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