„Wiederentdeckt“ Julius Eastmann und Co. im Lenbachhaus Von Kristin Amme

Er galt als genial und schwierig: Julius Eastman. Jahrzehntelang war der 1940 geborene US-amerikanische Komponist vergessen, bis die „Black Lives Matter“-Bewegung seiner Musik im Rahmen von Kundgebungen und Protesten zu einem Revival verhalf.

Vor 40 Jahren arbeitete Eastman mit Künstlerinnen und Künstlern wie John Cage, Meredith Monk und Pierre Boulez zusammen. Doch in der weißen Heteroblase der amerikanischen Ostküsten-Avantgarde komponierte und sang und postulierte er sich mit seinem Hang zur Provokation oft in Schwierigkeiten hinein. In den 80er-Jahren nahm Eastmans Leben eine tragische Wendung: Nachdem er seinen Job am Konservatorium verloren hatte, verfiel er dem Alkohol, nahm harte Drogen, magerte ab bis auf die Knochen.
1990, mit nicht einmal 50, starb Julius Eastman vereinsamt, verarmt und vergessen in einem Buffaloer Krankenhaus an Herzversagen. Mehr als 30 Jahre nach seinem Tod stand der Name Eastman nun endlich auch auf Münchner Konzertplakaten. Im Februar und März war seine Musik live im Münchner Lenbachhaus zu erleben. Die Münchner Philharmoniker und das Münchner Kammerorchester sowie das Schweizer Kukuruz Quartett widmeten dem afroamerikanischen Komponisten eine Konzertreihe. Auf dem Programm standen u.a. Eastmans Stücke „Femenine“ (1974), „Prelude to the Holy Presence of Joan d’Arc“ (1981), „Evil Nigger“ (1979) und „Gay Guerrilla“ (1979).



© BR Klassik, Horizonte, 12.4.2022

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