ZeitOnline: Krise der Konzertbranche: „Die Musik geht aus.“ Eine Analyse von Kristoffer Cornils
Zwei Jahre lang waren kaum Konzerte möglich, nun bleiben vielerorts die Besucher weg. Selbst etablierte Bands sagen derzeit ihre Tourneen ab. Die Branche schlägt Alarm.
Im März 2020 ging die Konzertbranche in einen Corona-Lockdown, der eine paradoxe Situation auslöste. Nichts passierte, und doch gab es mehr denn je zu tun: Tourneen und Festivals mussten auf Herbst, dann Frühling oder Sommer verlegt werden, nur um anschließend in den meisten Fällen noch einmal verschoben zu werden. Doch als im Frühjahr 2022 die Corona-Auflagen fielen und Liveshows wieder vollumfänglich stattfinden konnten, stellte sich das Licht am Ende eines langen Tunnels als Zug heraus, der der Branche entgegenrast. Statt ausverkaufte Hallen vermelden zu können, haben die meisten Veranstalter aktuell mit katastrophalen Vorverkaufszahlen und daraus resultierenden Tournee-Absagen zu kämpfen.
Seit vergangenem Sommer melden sich immer häufiger Bands und Künstlerinnen aus aller Welt mit Instagram-Posts, auf denen durchgestrichene Tourdaten zu sehen sind. Im Text unter dem Bild stand zunächst meist etwas von „logistischen Gründen“ oder ähnlich schwammigen Begründungen. Mit der Zeit ist der Ton jedoch deutlicher geworden. Die US-Band Animal Collective, seit Mitte der Nullerjahre einer der beliebtesten Art-Pop-Acts überhaupt, begründete ihre Absage von 17 Europakonzerten mit „Inflation und Währungsabwertung“ sowie „explodierenden Transportkosten“ für ihr Equipment. Unter anderem deshalb sei es unmöglich gewesen, eine Tour auf die Beine zu stellen, bei der Animal Collective am Ende nicht draufgezahlt hätte.
© ZeitOnline, Kultur, Musik, 20.10.2022