ZeitOnline: M’berra Ensemble – Der Sound einer flüchtigen Stadt

M’berra in Mauretanien ist eines der größten Flüchtlingscamps der Welt. Mitten in der Sahara ist dort eine vitale Musikszene entstanden. Von Florian Sievers.

Wer einmal mit dem Flugzeug die Sahara überquert hat, der vergisst den Anblick nicht mehr: Sand, Staub, Steine bis zum Horizont, dazwischen schnurgerade Pisten und selten mal rätselhafte Muster im Boden, vielleicht menschlichen Ursprungs, vielleicht vom Wind geschliffen. Definitiv menschengemacht ist eins dieser Muster, das in der äußersten südöstlichen Ecke Mauretaniens in Westafrika zu sehen ist: das Flüchtlingscamp M’berra, eine riesige Ansammlung von Zelten und einfachen Ziegelbauten auf quadratischen Parzellen, die in die roten und beigen Sandschlieren ringsum ausfranst.



Zwischen 60.000 und 80.000 Menschen leben hier bei bis zu 50 Grad Hitze mitten im Nichts, die meisten von ihnen geflüchtet vor dem schwelenden Bürgerkrieg im nahen Mali, wo islamistische Extremisten, Milizen und verschiedene Volksgruppen um die Macht ringen. Das Camp ist die größte menschliche Siedlung in der gesamten Region. Während die Bewohnerinnen und Bewohner dieser aus dem Boden gestampften Stadt von der verlorenen Heimat träumen, arbeiten sie als Markthändlerinnen oder Automechaniker. Auch viele Musikerinnen und Musiker, die von Islamisten oft besonders brutal vertrieben wurden, sind im Camp versammelt.




ZeitOnline, Kultur, Musik, 4.12.2022

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