„Zersägte Jungfrauen, verschwundene Kaninchen“ Die lange Nacht über Zauberei und Illusionskunst

Von Margot Litten. In der Antike missbrauchten die Tempelpriester ihr Wissen in der Physik, um dem einfachen Volk Übersinnliches vorzugaukeln, und die Magier des Mittelalters wurden verdächtigt, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Heute inspiriert die Zauberei sogar die Neurowissenschaften.

Zauberer sind im Grunde die einzig ehrlichen Menschen in unserer unehrlichen Welt – nur sie geben zu, dass sie täuschen. Und je besser es ihnen gelingt, desto weniger enttäuschen sie uns. Wobei die Kunst der Täuschung seit altersher auf drei Grundprinzipien beruht: auf dem Erscheinen, Verwandeln und Verschwindenlassen eines Gegenstandes, zum Beispiel einer Münze.

Die Entwicklung der Zauberei

Im Lauf der Jahrhunderte wurde die Magie auch als Unterhaltungskunst entdeckt. Doch anstatt etwas Leichtigkeit in den harten Alltag der Menschen zu zaubern, geschah im Reich des schönen Scheins viel Unschönes, vor allem im Mittelalter.

Da verdächtigte man die Gaukler und Taschenspieler, mit bösen Mächten im Bund zu stehen. Die Taschenspieler – benannt nach ihrer Beuteltasche mit den Requisiten – waren rechtlose Gesellen am Rand der Gesellschaft, fahrendes Volk, im Wirtshaus, in der Herberge daheim.

Mit ihren Kunststücken brachten sie dem Wirt Gäste, als Gegenleistung erhielten sie Speis und Trank. Oder auch Pfandstücke, die von zahlungsunfähigen Gästen hinterlegt worden waren. Diese Pfänder hießen „Gages“, auf sie geht das Wort Gage zurück.

Unsterblichkeit erlangte der 1480 in Württemberg geborene Johann – oder Georg – Faust. Ein Wunderheiler, Wahrsager, Zauberer für die einen – ein Scharlatan für die anderen, einer, der mit dem Teufel im Bunde stand. Seine geheimnisumwitterte Lebensgeschichte bot Stoff für unzählige literarische Bearbeitungen; Goethe weitete seinen „Faust“ zu einer Allegorie des gesamten menschlichen Lebens aus.

Bekannt wurde auch Jacob Philadelphia, der mit bürgerlichem Namen schlicht Jacob Meyer hieß und der Sohn ausgewanderter galizischer Juden war. 1735 in Philadelphia geboren, tourte er bereits mit 20 Jahren quer durch Europa.

Er pries seine Kunst über alle Maßen und stellte gewagte Honorarforderungen – von Friedrich dem Großen etwa wollte er für seinen Auftritt eine lebenslängliche Rente. Der Preußenkönig lehnte erbost ab und verwies ihn der Stadt. Der Legende nach verließ Philadelphia daraufhin Berlin in einer prunkvollen Kutsche gleichzeitig durch alle vier Stadttore.




© Deutschlandfunk, Lange Nacht, 31.12.2022

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