Zum Tod von Lamont Dozier „Weltherrschaft mit Liebesliedern“ Von Karl Bruckmaier

Mir wird unvergesslich bleiben, wie sich Lamont Dozier, am Montag im Alter von 81 Jahren verstorben, hinter den Bösendorfer im Studio des Bayerischen Rundfunks gesetzt hat und minutiös, mit großer Zärtlichkeit und auch Traurigkeit seine alten Motown-Kompositionen zerlegt und erklärt hat. So viel Liebe. Danke, Romeo. Karl Bruckmaier.

„You Can’t Hurry Love“, „Baby Love“, „Stop in the Name of Love“: Lamont Dozier schuf gemeinsam mit den Holland-Brüdern die großen Hits des Motown-Labels aus Detroit. Über Jahre waren sie das Maß der Dinge in der Popmusik. Nun ist der Songschreiber im Alter von 81 Jahren gestorben.



Als Diana Ross im Juni die Bühne des Glastonbury-Festivals betrat, soll sie nicht jede Note getroffen haben – auch Pop-Diven machen 78 Lebensjahre zu schaffen – aber die Auswahl ihrer Songs wurde als makellos gelobt, darunter naturgemäß einige, die Lamont Dozier zusammen mit den Holland-Brüdern einst für sie und die Supremes geschrieben hat: „You Can’t Hurry Love“, „Baby Love“, „Stop in the Name of Love“.



So viel „Love“ kann nur von einem Mann kommen, der bereits seine erste Gesangsgruppe The Romeos genannt hat, mit fünfzehn auf der Highschool, bevor er dann doch als Schuhputzer auf Chicagos Straßen sein Geld verdienen musste. Der Millionär wurde erst später aus ihm, ganz nach den Regeln des amerikanischen Traums.




© FAZ, Feuilleton, 10.8.2022

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