Salman Rushdie: Der Mann, der den Frieden als Preis bekam
Der Schriftsteller Salman Rushdie ist in Frankfurt mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. Seine Dankesrede war heiter und setzte ganz auf die Macht des Erzählens gegen das Böse in der Welt. Von Marc Reichwein.
„Wunderbar!!“ Mit der ihr eigenen gestischen Emphase des doppelten Ausrufezeichens winkt Kulturstaatsministerin Claudia Roth dem Schriftsteller Daniel Kehlmann auf der Treppe der Frankfurter Paulskirche zu und gratuliert ihm nach dem Festakt zu seiner gelungenen Laudatio auf Salman Rushdie. Vizekanzler Robert Habeck macht derweil artig Smalltalk mit Rushdies Ehefrau Rachel Eliza Griffiths. Die Spitzenpolitikerdichte ist in diesem Jahr deutlich höher als sonst.
Von Salman Rushdie, der zum feierlichen Abschluss der Frankfurter Buchmesse den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegengenommen hat, sind alle bewegt, berührt, oder, um ganz altmodisch zu sprechen: beseelt. Eine so zauberhafte, dem Ernst der Weltlage wie den lustigen Spinnereien der Literatur gleichermaßen verpflichtete Friedenspreisrede hat man in dieser „church“ (Rushdie) selten gehört.
© Welt, Literatur, 23.10.2023