Hollywoods Hit-MaschineInterview: Thaddeus HerrmannWie schnell sich die Umstände doch ändern können. Es ist gerade mal zwölf Jahre her, seit der Isländer…
Friendship Survival Guide ist ein Segen und ein Geschenk. In vielerlei Hinsicht trauern wir noch immer um Jóhann Jóhannsson, denn seine Musik ist untrennbar mit unserem Leben verbunden. In den acht Jahren seitdem sind einige posthume Aufnahmen erschienen, ebenso wie zwei Box-Sets, die sein Gesamtwerk zusammenfassen; doch die Stimme des Komponisten ist seitdem größtenteils verstummt.
Hier kommt sein enger Freund Adam Wiltzie ins Spiel, der zuvor bereits mit Jóhannsson an den Filmmusiken für The Theory of Everything und Arrival zusammengearbeitet hatte. Wiltzie hatte die analogen Tonbandschleifen aus diesen Sessions aufbewahrt und später unter der Leitung von Steve Albini – noch vor dessen eigenem Tod – Gitarrenparts aufgenommen, wodurch eine zusätzliche Ebene drängender Melancholie entstand.
Friendship Survival Guide ist ein von Jóhannssons Familie genehmigtes, elegisches Statement, in dem es weniger um das Überstehen einer Freundschaft als vielmehr um die Erfahrung des Verlusts eines Freundes geht. Wiltzie würdigt Jóhannsson und führt zugleich dessen Vermächtnis fort, indem er ein „gemeinsam geschaffenes Artefakt“ vollendet und es der Welt in der Hoffnung übergibt, dass der Heilungsprozess weitergehen möge. Wie man es vom Mitbegründer von Stars of the Lid erwarten darf, ist die Musik ebenso sehr Ambient wie moderne Komposition – eine Verschmelzung verschiedener Disziplinen, die ein harmonisches Ganzes bildet.
Doch das passt nur zu gut, denn zwischen Wissenschaft und Science-Fiction besteht eine feine Grenze, genauso wie zwischen Glauben und Tatsache. „Where You Are Now, Voyager“ bietet ein raffiniertes Wortspiel, das sich nicht nur auf die Voyager und ihre berühmte Goldene Schallplatte bezieht, sondern auch auf die Noten eines geliebten Komponisten, die durch die Zeit hallen; und auf Jóhannsson selbst, einen Reisenden, der uns körperlich verloren gegangen ist, aber geistig präsent bleibt und durch diese exquisite Wiederauferstehung des Klangs umso realer wird. ©Alle Texte: Richard Allen.
© A Closer Listen, 11.9.2026
