„Asymmetrien“ eine Standortbestimmung Essay von Dominika Hirschler

Dominika Hirschler denkt über das prekäre Leben als freie Musikerin nach, insbesondere über das Leben ohne den relativen Komfort, in dem festangestellte Musiker an staatlich finanzierten Häusern die Pandemie überwintern konnten

Aufgespannt zwischen Passion und Tortur, Hassliebe und Hingabe, Zeitüberfluss und finanziellem Prekariat: Grenzen sind in einer freiberuflichen Existenz als Musikerin oder Musiker immer fließend. Unterwegs im Spannungsfeld von Selbst und Ausdruck, Autor:in und Text, Sänger:in und Lied, Selbstvermarktung und angebotener Ware.

Als der erste Lockdown im März 2020 das öffentliche Leben von jetzt auf gleich lahmlegte, war ich gleichermaßen paralysiert wie fasziniert. Neugierig, was das für uns Musiker:innen und Künstler:innen bedeuten würde, die auf eine lebendige öffentliche Sphäre existentiell angewiesen sind. Das Bloggen auf meiner Website, bis dahin eher eine Spielwiese für meine Interessen und Erlebnisse, wurde zur Ersatzhandlung. Ein Erforschen und Ausloten, was in dieser unerwarteten und schockierenden Versuchsanordnung Lockdown trotzdem möglich sein würde. Ein Ventil dafür, von einem nanopartikelgroßen Virus, das bevorzugt in Aerosolwolken durch die Welt reist, als Sängerin gründlich und anhaltend zum Schweigen verdammt worden zu sein.

© Van Magazin, 2. Juni 2021

Danke, das Du meinen Beitrag kommentieren möchtest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: