„Der Otaku mit dem Kegelhut“ Neues Album von Japan Blues
Ist das kulturelle Aneignung oder eine Hommage? Der britische Musik-Archäologe Japan Blues widmet ein neues Album Nippons Musikkultur. Von Lars Fleischmann.
Es ist wahrlich eine harte Nuss, in die Musik des englischen Produzenten und Sammlers Japan Blues einzusteigen. Ein Stück wie „Sazanka, Hokkai Bon Uta“ von seinem neuen Album „Japan Blues Meets The Dengie Hundred“, das den Auftakt des drei Stücke umfassenden Werks darstellt, ist ein komplexes neunminütiges Gesamtkunstwerk, das auf wundersame Weise sampelt, mischt, mit Pastiche- und Montage-Techniken arbeitet und vielschichtige Collagen produziert.
Die Quellen scheinen den weltgewandten Hörenden nicht ganz unbekannt: Man erkennt bisweilen die verschiedenen Versatzstücke und kann sie als japanischen Schlager (namentlich: Minyo, im Besonderen auch Enka), als Theatermusik, als Volksmusik, aber auch als Sample eines Laternentanzes identifizieren. Dieser beziehungsreiche Arbeitsstil begeistert derzeit viele Fans von randständigem Pop und experimenteller Musik, sowohl in der Heimat des Japan Blues, Großbritannien, als auch in Kontinentaleuropa.
© TAZ, Kultur, 21.7.2023