„Der Weltempfänger“ Jeff Özdemir mit Berliner Allerlei von Jens Uthoff

Bremerhaven, Berlin, Bosporus und die Bronx: Jeff Özdemir hat ein offenes Ohr – und setzt seinen Pop-Entwurf aus Musiken aus aller Welt zusammen.

Aus Bremerhaven zieht es die Menschen schon seit sehr langer Zeit Richtung Neue Welt. Der berühmte Dampfer „Bremen“ legte dort bereits Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Ziel New York ab, wo damals gerade die Unterhaltungskultur mit Nightclubs, Musik und Tanz aufkam. All dies war lange bevor der Künstler, der sich heute Jeff Özdemir nennt, in Bremerhaven heimisch wurde. Und doch zog auch ihn als Jugendlichen in den 1980er Jahren die Kultur aus Übersee magisch an.

Eingeladen hat Jeff Özdemir diesmal auch viele Berliner Freunde, die schon lange den Underground der Stadt prägen. Der großartige Spoken-Word-Track „Zu viele Erinnerungen“ von Otto von Bismarck etwa ist eine lässig klingende Zeitreise („Angst und Schrecken in provinziellen Nestern/ Heavy Rock und Blasorchester/ Uni-Gigs für Erstsemester/ Tony Williams, Gil Evans, Miles, Bob Marley, Ike and Tina Turner, Bobby Womack und Don Cherry, Curtis Mayfield Chuck Berry/ zu viele Erinnerungen …“). Weitere Höhepunkte sind die getragene Folk-Ballade „Love Letters“ (mit Joanna Gemma Auguri), das Eighties-affizierte „Bored“ (mit Elke Brauweiler) und das etwas soundtrackmäßige „That’s Not What Friends Are For“.



Die Friends-Reihe soll natürlich weitergehen, das Projekt ist auf lange Zeit angelegt. Freunde bleiben, neue Freunde kommen dazu. Darf man in 25 Jahren Jeff Özdemir & Friends Vol. 10 erwarten? „Das wäre natürlich wünschenswert. Toll, mal diese Frage gestellt zu bekommen. Viel besser als das oft gehörte: Du hast doch zu viele Musikprojekte!“


© TAZ, Kultur, Musik, 13.6.2021

Danke, das Du meinen Beitrag kommentieren möchtest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: