„Die Verbrennung“ Ingeborg Bachmann in Rom. Feature von Susanne Ayoub

Berichte – Erinnerungen Mutmaßungen zum Tod von Ingeborg Bachmann in Rom. 2014 veröffentlichte die Lyrikerin Christine Koschel, eine Vertraute der letzten Lebensjahre in Rom, ein Protokoll der Wochen zwischen Ingeborg Bachmanns schwerem Brandunfall am 25. September und ihrem Ableben am 17. Oktober 1973.

Nicht die Schwere der Verbrennungen sondern die Tablettenabhängigkeit hatte zu ihrem Tod geführt, da den Ärzten der Name des Psychopharmakums verschwiegen wurde. Die Familie fürchtete um den Ruf der berühmten Dichterin, das Ärztepaar, das Bachmann mit dem Medikament versorgt hatte, schwieg aus Angst vor den rechtlichen Konsequenzen. Erst im letzten Augenblick gaben sie den Namen „Seresta“ preis, da war es zu spät. Freunde Bachmanns erstatteten Anzeige: Es war Mord. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Mord war es nicht, jedoch: „Man stirbt an dem, was mit einem angerichtet wird“, so Ingeborg Bachmann.

Das Stück folgt den Erinnerungen Christine Koschels, ergänzt und relativiert durch Kommentare aus anderen Quellen. Ausschnitte von Tonbandaufzeichnungen Ingeborg Bachmanns, aufgenommen im letzten Sommer ihres Lebens für einen TV-Film, wechseln mit Passagen aus ihrem Werk. Bachmann spricht über ihr Leben in Rom, über das Schreiben und die Musik, über Faschismus und die Beziehungen von Männern und Frauen, über ihre Utopie „Ein Tag wird kommen“. Zitiert wird aus ihren Traumaufzeichnungen, Briefen an Ärzte, aus ihren literarischen Texten. Die Stimmen, begleitet von einer subjektiven, beobachtenden Erzählerin auf dem Weg durch Rom, verweben sich zu einem Bild der Dichterin an der Schwelle des Todes.



© Ö1, Tonspuren, 17.4.2022

Danke, das Du meinen Beitrag kommentieren möchtest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: