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„Er wartet heimlich auf das Erwachen“ Traum und Literatur. Von Michael Opitz

Wer träumt, ist ausgeliefert. Im Traum tritt auf, wer und was will. Alles ist in ihm möglich, und noch das Unmöglichste erscheint als real. Das gilt nicht zufällig auch für die Literatur, weshalb sie traute Beziehungen zum Traum unterhält.

„Es träumt sich nicht mehr recht von der blauen Blume. Wer heut als Heinrich von Ofterdingen erwacht, muss verschlafen haben.” Zu diesem Befund kommt Walter Benjamin in seiner Glosse „Traumkitsch”, in der er jenen Träumern einen Weckruf ins Ohr flüstert, die sich in die Vergangenheit flüchten wollen.

Im Schutze des Schlafs gelingt es den Träumenden, Gegenden in Augenschein zu nehmen, die zu betreten sie in Wirklichkeit kaum wagen würden. Walter Benjamin, Durs Grünbein, Heiner Müller, Christa Wolf und viele andere haben ihre Traumpfade beschrieben, meist ohne blaue Blume.




© Deutschlandfunk, Literatur, 11.9.2022

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