Nachhören

Essay: „Immer noch unsichtbar“ Südkoreanische Migranten in Deutschland

Von Martin Hyun. Die Geschichte südkoreanischer Gastarbeiter, die in den 1960er-Jahren als Bergarbeiter und Pflegekräfte in die Bundesrepublik kamen, bleibt weitgehend aus dem kollektiven Gedächtnis des Einwanderungslandes ausgeschlossen. Es gilt, dies zu ändern!

Die Stimmen südkoreanischer Migranten, die in politischen Debatten und öffentlichen Diskursen oft übergangen werden, spiegeln das Spannungsfeld zwischen Inklusion und Ausgrenzung im Deutschland der Gegenwart wider.
Der Ausschluss – von Integrationsgipfeln bis hin zu Gedenkforen – formt das Bild dieser Gemeinschaft und sendet auch eine leise, jedoch eindeutige Botschaft gesellschaftlicher Nichtzugehörigkeit an viele kleinere Minderheiten. Zwischen kulturellen Barrieren der Scham und verdrängten Traumata wie im so genannten „Hohmanneum-Fall“, in welchem es um ein Ausbildungszentrum in der südkoreanischen Stadt Naju geht, wo der deutsche Entwicklungshelfer Fritz Hohmann schwere Verbrechen beging, öffnet sich ein Raum für tiefere Reflexion: Wer wird erinnert, wer bleibt unsichtbar – und was sagt dies über das Selbstverständnis einer pluralistischen Gesellschaft?


Martin Hyun ist Politikwissenschaftler und studierte International Business sowie Internationale Beziehungen in den USA, Brüssel und Bonn. Als erster koreanischstämmiger Spieler in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) und Junioren-Nationalspieler Deutschlands schrieb er Sportgeschichte. Er setzt sich für Diversität und Inklusion im Sport ein und gründete den gemeinnützigen Verein Hockey is Diversity e.V. Als Autor reflektiert er Identität und Integration mit besonderem Blick auf das deutsch-koreanische Spannungsfeld. Zu seinen Veröffentlichungen zählen „Lautlos – Ja Sprachlos – Nein: Grenzgänger zwischen Deutschland und Korea“ (2008), „Ohne Fleiß kein Reis – wie ich ein guter Deutscher wurde“ (2012) und die „Gebrauchsanweisung für Südkorea“ (2018). Sein aktuelles Buch, „Gebrauchsanweisung für Nachbarn“ (2024), das er gemeinsam mit seinem Freund Wladimir Kaminer schrieb, war auf der Spiegel-Bestsellerliste.

© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 5.1.2025

(Visited 63 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.