GOLDEN GLOBE – Bester fremdsprachiger Film „Drive My Car“

National Film Critics Awards 2022 Preise vergeben: als “Bester Film”, “Beste Regie”, “Beste männliche Hauptrolle” für Hideyoshi Nishijima und „Bestes Drehbuch“.

Yusuke Kafuku (Hidetoshi Nishijima), ein Bühnenschauspieler und Regisseur, ist glücklich verheiratet mit der Drehbuchautorin Oto (Reika Kirishima). Plötzlich stirbt Oto und hinterlässt ein Geheimnis. Zwei Jahre später erhält Kafuku, der den Verlust seiner geliebten Frau noch nicht verkraftet hat, das Angebot, bei einem Theaterfestival in Hiroshima „Onkel Wanja“ von Tschechow zu inszenieren. Dort lernt er Misaki (Toko Miura) kennen, eine zurückhaltende junge Frau, die ihm als Chauffeurin zugewiesen wird. Während der gemeinsamen Fahrten öffnen sich Fahrerin und Fahrgast, dabei holen Kafaku die Rätsel der Vergangenheit ein, die ihn im Stillen verfolgen.




Im Auto herrscht zunächst Schweigen, nur die Stimme Otos erfüllt die Stille zwischen Kafuku und Misaki. Die fließenden Bewegungen des Saabs durch den Stadtverkehr und – aus der Vogelperspektive – entlang der Küstenstraße geben den ruhigen Rhythmus vor, der sich dann auch als auffälligstes Stilmittel in Hamaguchis Inszenierung erweist. Der japanische Regisseur ist bislang nicht als großer Stilist aufgefallen, seine Filme leben vielmehr von geduldigen, präzisen Beobachtungen; mit „Drive My Car“ überführt er dieses Prinzip der Reduktion allerdings in eine hochkonzentrierte Form.

ANDREAS BUSCHE / Der Tagesspiegel

Auf dem Rücksitz der Erinnerung

Drei Stunden dauert „Drive My Car“. Das ist, je nach Betrachtungsweise, eine sehr lange oder eine ziemlich kurze Zeit. Wie lange liest man an einem Buch? Wer einmal in einem gut erhaltenen Saab gesessen hat, weiß, dass Geschwindigkeit nicht alles ist. Die besseren Filme haben mit den Oldtimern gemeinsam, dass sie ihre Zu­schauer auf eine Reise mitnehmen, bei der Ankommen und Unterwegssein dasselbe sind. So wie hier.

 ANDREAS KILB /FAZ

In den Gleichklang hineinfahren

Der Film „Drive My Car“ ist ein Roadmovie à la Murakami. Ryūsuke Hamaguchi nutzt das Innere eines Wagens virtuos für ein Spiel mit der Suggestion.

„Drive My Car“ beruht auf mehreren Erzählungen von Haruki Murakami, dessen kühl beobachtenden Innerlichkeitston Hamaguchi wunderbar assoziativ ins Filmische übersetzt. Aber Tschechow mit seinen hier so oft und ausführlich repetierten Sätzen verleiht dem Ganzen noch eine weitere Note: In Parallelität zu Wanja und Sonja aus dem Stück bestärken Kafuku und Misaki sich gegenseitig darin, weitermachen zu müssen, auch ohne Hoffnung darauf, dass es besser wird.

Aber wie Wanja und Sonja sind sie in ihrer Selbstverstricktheit auch ignorant gegenüber dem Leiden um sie herum: Dass der Mord, der passiert, während sie tatenlos im Auto warten, etwas mit ihrem Leben zu tun haben könnte, kommt ihnen nicht in den Sinn.

Ein japanischer Dreistundenfilm, der von einer Theateraufführung handelt, so etwas hakt man schnell mit dem Label „Nicht jedem sein Ding“ ab. Dem zum Trotz erweist sich „Drive My Car“ dieser Tage als everybody’s Lieblingsfilm mit großen Oscar-Chancen. Tatsächlich fühlt man sich als Zuschauer nach Ablauf der 179 Minuten fast frischer als am Anfang, so fesselnd und entspannt zugleich war der Trip.© Text: Barbara Schweizerhof


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