Kae Tempest „The Line Is a Curve“: Wie ich dich gefunden habe

Die Dringlichkeit der Sprache wie der Vortragsweise ist es, die das Unverkennbare der Songs von Kae – vormals Kate – Tempest ausmacht. Tempest, in London lebend und sich seit einiger Zeit als geschlechtlich nonbinär definierend, schreibt Lieder, Lyrik, Theaterstücke und Romane. Von Stefan Michalzik.

Das Album „Let Them Eat Chaos“ (von 2016) entwirft anhand von Schlaglichtern aus einem Tag einer Reihe von Figuren ein Bild von der gegenwärtigen Verfassung der kapitalistisch geprägten westlichen Welt. Das Grundmotiv auf „The Book of Traps and Lessons“ (von 2019) war die Liebe, mitsamt unguten Erscheinungen wie krankhafte Abhängigkeit oder Scheitern. „Eine intime Beziehung“, hatte Tempest seinerzeit gesagt, „stellt so etwas wie die Frontlinie des Widerstands dar“.

Die Gemeinschaft als Utopie

Viele der frühen Songs lassen sich als empathisch-zeitdiagnostische Porträts von urbanen Menschen charakterisieren, die in ihrem Leben und in der ewigen Wiederholung gefangen sind. Der scheinbaren Unentrinnbarkeit des Bestehenden gilt es etwas entgegenzusetzen, in erster Linie die Gemeinschaft als real existierende Utopie.




© Frankfurter Rundschau, Kultur, 5.5.2022


Danke, das Du meinen Beitrag kommentieren möchtest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: