Laura Freudenthaler: „Suspekt ist mir ein Erzählen, das sich der Wirklichkeit gewiss ist.“

Laura Freudenthaler hat nun eine Homepage. „Dieser Umstand verdankt sich der Europäischen Union“, steht dort. Feature von Antonia Löffler.

Die EU zeichnete Freudenthalers jüngsten Roman „Geistergeschichte“ aus, die Homepage gab es dazu. Sie sei für die erfolgreiche Selbstvermarktung unerlässlich, habe man ihr erklärt. Auf die Seite stellte Freudenthaler Essays, die die Grundregeln schnellen Internetkonsums elegant überhören: sie sind lange, komplex gedacht, ohne Fotos der Autorin.

Selfie am Schreibtisch? Laura Freudenthaler besitzt kein Smartphone. „Es erfordert eine Verweigerung“, sagt sie. Freudenthaler wird 1984 in Salzburg geboren, studiert in Wien Germanistik, Gender Studies und Philosophie, arbeitet als Übersetzerin. 2020 gewinnt sie mit dem Text „Der heißeste Sommer“ – Stichworte Pyromanie, Klimawandel – beim Bachmann-Wettbewerb den 3sat-Preis. In ihrem Porträt zum Wettlesen sieht man den Ausblick in einen Hinterhof: ihre Schreibsituation, die nötige Ruhe.

Laura Freudenthaler verweigert, und sie hinterfragt. „Suspekt ist mir ein Erzählen, das sich der Wirklichkeit gewiss ist“, formuliert sie in einem Essay. Ihre Figuren dürfen nicht mit einem festen Boden rechnen. Die Sprache verrät sie, die Körper tun das sowieso. Ob es die Eltern- und Großelterngeneration in „Die Königin schweigt“ ist oder das auseinander driftende Ehepaar in der „Geistergeschichte“. Oder die Figuren in ihren „Paargeschichten“, wo die Frauen erst die männlichen Zuschreibungen niederringen müssen. Ihre Ironie mache ihn traurig, sagt einer dieser Männer am Ende einer Nacht. Aber er sehe schon, sie komme aus ihrer Verweigerungshaltung nicht heraus.



© Ö1, Tonspuren, 4.9.2022

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