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Nachruf auf den Popkritiker oder das Ende von Pitchfork

Michael Pilz hat dafür einen langen und sehr guten Beitrag geschrieben, den alle Musik interessierten lesen sollten. Pitchfork, das wichtigste Musikmedium der Gegenwart, wird abgewickelt. Was bedeutet das? Das Ende hat auch mit der Art des öffentlichen Schreibens und des Sprechens über Pop zu tun, mit unserem Musikkonsum – und den heutigen Kulturkämpfen.

Es gab Musikkritiken auch im 21. Jahrhundert noch. Aber die wichtigsten wurden nicht mehr gedruckt. Täglich wurden bei Pitchfork neue Platten rezensiert, obwohl das Zeitalter der Alben eher das 20. Jahrhundert war. Bis neulich eine Mail der „Vogue“-Chefredakteurin Anna Wintour auftauchte, in der Pitchfork beerdigt wurde.

Damit fehlt der Popmusik nicht nur die mächtigste Instanz der Welt für fachkundige Werturteile – die Musikkritik wurde noch nie so sehr gedemütigt. Gegründet wurde Pitchfork 1995, um CDs am Tag ihres Erscheinens online zu besprechen und nicht erst im nächsten Monatsheft. Ein Jahr lang trug die Webseite den Titel „Turntable“. 2015 kaufte Condé Nast dem Gründer Ryan Schreiber seine Seite ab, die Redaktion zog von Chicago nach New York ins neu errichtete World Trade Center.



© Welt, Kultur, 30.1.2024

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