Release Tipp: Larum – Treatise by Cornelius Cardew / 12k
Die Faszination von Cornelius Cardews „Treatise” ist ungebrochen. Immer wieder treffe ich auf Musiker, die sich mit den abstrakten Strukturen seiner Kompositionen beschäftigen. Einige von ihnen sind auch hier zu finden. So wie dieses hier. Larum sind Micah Frank und Chet Doxas, hier ergänzt durch die Mitwirkung von Taylor Deupree. Ihre Annäherung an „Treatise” ist ein hörbares Zeugnis für die Gültigkeit dieser Kompositionsform in unserer Zeit. Cornelius Cardews „Treatise” ist zeitlos, und die Musik von Larum unterstreicht dies auf äußerst wirkungsvolle Weise – ja, sie ist quicklebendig.

Für diese Sammlung von Live-Aufführungen haben wir Treatise nicht nur als Partitur betrachtet, sondern als ein Werk der bildenden Kunst – eine abstrakte Landschaft, die uns mit ihrer rohen grafischen Schönheit in ihren Bann gezogen hat. Wir fühlten uns dazu verpflichtet, sie mit unseren Instrumenten in Klang umzusetzen und uns gleichzeitig mit dem Werk selbst auseinanderzusetzen. Bei der Recherche zu Cardews Notizen und seinem Treatise Handbook wurde klar, dass er das Stück nicht als offenes, freies Spiel für alle gedacht hatte. Vielmehr ermutigte er die Interpreten, einen persönlichen und dennoch logischen Ansatz zu entwickeln.
Also entwickelten wir eine Methode: Jedes Stück beginnt an der durchgehenden Mittellinie der Partitur, die wir als Zeitachse betrachteten. Von diesem Ankerpunkt aus identifizierten wir Wegpunkte, an denen die Geometrie zusammenlief, und nutzten diese Momente, damit sich die Interpreten auf eine vorab festgelegte Harmonie einigen konnten. Anschließend interpretierten wir die umgebenden geometrischen Formen als Hinweise für Dynamik, Dichte und instrumentale Stimmführung – so konnten die abstrakten visuellen Elemente der Partitur den Bogen und die Textur jeder Aufführung prägen. © Text: Liner Notes