Konzert „So langsam wie möglich“ John Cage (1912-1992): „Organ2 / ASLSP“

Aber was bedeutet „so langsam wie möglich“ für nur ein paar Noten auf dem Papier – dreißig Minuten, eine Stunde, ein Tag, anderthalb Wochen, zwei Monate, mehrere Jahre oder gar Jahrhunderte?

John Cages Komposition „ASLSP“ („as slow as possible“), 1985 für Klavier geschrieben, zwei Jahre später für Orgel bearbeitet, gibt Rätsel auf.

Gut eine halbe Stunde benötigte 1987 der Essener Organist Gerd Zacher im lothringischen Metz für die Uraufführung von Cages Orgelstück „Organ2 / ASLSP“. Und ihn, eigentlich ein Freund gehaltvoller Experimente, überzeugte die auf 639 Jahre hin angelegte Interpretation des Werkes, die am 5. September 2000 in der St. Burchardi Kirche in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) begann, nicht so recht. Allerdings hat es eine derartige Interpretation einer Komposition noch nie gegeben.

Nicht nur wir von heute, vor allem künftige Generationen könn(t)en einiges von dieser extensiven Aufführung lernen, in der sich die Gesellschaft immer wieder neu zu den Klängen, die sie umgibt und die sie stimuliert, irgendwie verhalten muss. Gut 72 Minuten dauert übrigens die „ASLSP“-Version der beiden Orgelvirtuosen Christoph Bossert und Hans-Ola Ericsson, die sie im Dezember 2003 in der Stadtkirche St. Wenzel in Naumburg realisiert haben – an einer Hildebrandt-Orgel aus dem Jahr 1746.



John Cage (1912-1992): „Organ2 / ASLSP“
Christoph Bossert, Orgel
Hans-Ola Ericsson, Orgel

(Aufnahme vom 14. bis 16. Dezember 2003 aus der Stadtkirche St. Wenzel, Naumburg an der Saale)

© HR 2, Konzertsaal, 12.5.2022

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