Samuel Beckett hat nur einmal in seinem Leben über längere Zeit Tagebuch geführt, nämlich auf seiner großen Deutschlandreise von September…
Von Alexander Kluy (Standard). Ein letzter Fund aus dem Nachlass: Die Deutschland-Tagebücher aus 1936/37 des irischen Autors liegen erstmals vollständig übersetzt in einer zweisprachigen Edition vor.
Als Samuel Beckett am 1. Oktober 1936 in Cuxhaven anlandete, war er 30 und unbekannt. Er hatte in Dublin Romanistik studiert, war Dozent in Paris gewesen, hatte James Joyce kennengelernt. Acht Jahre zuvor hatte er sich in eine Cousine verliebt, die 1933 verstarb, so wie Becketts Vater. Beides schlug ihm auf die Seele. Er konnte auf wenige Rezensionen, Essays, Gedichte zurückschauen. 1934 erschien ein Erzählband, im katholischen Irland sogleich auf den Index gesetzt, 1935 ein Lyrikbändchen. Seine Prosa Dream of Fair to Middling Women hatte niemand drucken wollen, auch nicht sein neues Romanmanuskript Murphy. Freunden gestand er, die Reise durch Nazi-Deutschland sei „a journey from, and not to„, weg und nicht zu etwas hin.
Samuel Beckett, „German Diaries. 28. September 1936 – 1. April 1937″. Englisch und deutsch. Übersetzt von Gaby Hartel. Herausgegeben von Mark Nixon und Oliver Lubrich.“ € 82,95 / 1352 Seiten. Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
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