Lucky 1000 oder was Lucky über seine Mixes zu erzählen hat und vieles mehr …

Lucky ist, soweit es mir bekennt ist, seit 2014 auf Blogger aktiv. Seit etwa 2018 verfolge ich seine Arbeit und seit ein paar Jahren, gebe ich seine Mixe an Euch weiter. Mittlerweile sind viele von Euch auf Lucky aufmerksam geworden und schätzen seine Arbeit.


Was also macht das Besondere an Luckys Arbeit aus?
Zum einen sind es die selbstgemachten Cover.
Das sind keine lieblosen Bilder nach dem Motto „Jetzt brauche ich noch ein Bild”.
Nein, er macht sich Gedanken und oft entstehen Cover, die richtig toll und außergewöhnlich sind.

Und seine Mixe?
Er kann mich immer wieder überraschen.
Sei es die Auswahl der Themen oder die Ideen überhaupt, die Bandbreite seiner Musikauswahl ist enorm.

Hier geht fast alles, quasi von Abba bis Zappa und Grenzen sind ihm vollkommen fremd. Ich wünschte das einige Radiomacher genauso so einen Mut zum Risiko auf brächten …
Das zeigt ein großes Musikverständnis, das ich heute nicht mehr für selbstverständlich halte.
Dass wir einige musikalische Vorlieben teilen, ist auch ein Grund für mein anhaltendes Interesse an seinen Mixes.

Da wir schon lange in Kontakt sind, weiß ich um seine Zweifel: Weitermachen und wie?
Dazu kommen noch solche schwerwiegenden Ereignisse, dass der Host seiner Mixe neue Einschränkungen hat und er sich somit einen neuen Anbieter suchen muss – oder eben aufhört.

Dass er sich einen neuen, großen Anbieter gesucht hat und nebenbei all seine Mixe dorthin umzieht, verdient mehr als meinen Respekt. Denn das kostet enorm viel Zeit und Arbeit!

Bald steuert er auf die Zahl 1000 zu.
Das bedeutet, dass ihm die Ideen nicht ausgehen, und das ist gut so.
Aus diesem Anlass habe ich Lucky ein paar Fragen zu seinen Mixen, seiner Arbeit und seiner Musik gestellt. Und vielleicht werden einige Eurer Fragen damit beantwortet.


1000 Mixes werden es bald sein. Was löst das in dir aus?

Das löst in mir gemischte Gefühle aus. Ich hatte ursprünglich ohne Katalognummern begonnen, den ersten Mix 2016. Für den habe ich ein paar Wochen gebraucht, da mein PC so langsam war, dass er ständig abgestürzt ist. Und ich hatte auch keine Erfahrung mit dem Mixen. Aber er ist dann doch ganz lustig geworden.
Ich habe vor, es bei 999 zu lassen. Meine Katalognummern sind ja 3-stellig, von 001 bis jetzt gerade 991 (992 ist in der Pipeline). Da würde 1000 schon aus der Reihe tanzen. Und es wäre auch ein schöner Abschluss, bei 999 Schluss zu machen. Ein ungerader Schlusspunkt und ein offenes Ende.

Was ist die Inspiration für deine Arbeit? Sind es Zufälle oder spontane Ideen?

Die Ideen für die Mixe sind vielfältig, manchmal sind es zufällige Ideen, manchmal Dinge, die mich schon lange beschäftigen. Mit dem „Radio Refers“-Mix bin ich Jahre schwanger gegangen, ich habe es immer wieder aufgeschoben bzw. verworfen. Und irgendwann war es dann reif, und ist geboren. Als neulich der Bundesdeutsche Warntag war, kam mir an dem Tag spontan die Idee für einen Sirenen-Mix – sehr naheliegend. Ich versuche dann aber immer, das Konzept möglichst breit zu halten, also von den griechischen Sirenen der Antike bis zu den Alarmsirenen. Ich brauche solche Schlupflöcher und doppeltbödigen Konzepte, sonst langweile ich mich schnell. Da ich die meisten Mixe alleine gestalte, sind die Initialzündungen oft sehr persönlicher Natur. Das weiß nur ich, und ich bin ja auch der Haupthörer – es ist ein wenig Tagebuch, Selbsttherapie, und Darstellungsdrang.

Wenn ich mir überlege, wie viel Zeit du in diese Mixe investierst – dazu zähle ich auch die oft hervorragenden Cover, die du selbst gestaltest –, frage ich mich: Geht es auch ohne?

Ich mache diese Mixe jetzt seit 2006. Und wenn ich etwas nachdenke, habe ich schon davor Mixtapes gemacht (allerdings nicht gemixt, sondern nur 1 Stück an das nächste gehängt); für Freunde, Bekannte, Verwandte, und alle, die einigermaßen offen dafür waren. Maxell XLII und TDK-SA und waren die MC’s, die ich meist dafür benutzt habe.

Was war der Anlass für deinen Beginn?


Der Beginn war LPH 001 – da wollte ich mal etwas eigenes machen, nachdem ich zuvor ausschließlich Alben von verschiedenen Künstlern in Blogs mit anderen Musikverrückten geteilt hatte. Mein erster Blog widmete sich ausschließlich Künstlern, deren mit „M“ begann – zum Beispiel Material, Ennio Morricone, Henry Mancini, usw. Ich hatte viele CD’s und hatte kaum Gleichgesinnte in meinem Bekanntenkreis. Ich wollte mich mit anderen connecten. Und außerdem suchte ich nach einem Weg, Zugang zu all der Musik zu bekommen, die ich auf meiner Festplatte gehortet hatte – das wurde immer mehr und ich suchte nach einem Weg, wie ich da eintauchen konnte, und nicht nur weiter sammeln, sonder wieder mehr aktiv hören konnte. Und einen Mix zu kreieren brachte mich dazu, in die Tiefen meiner Festplatte/n einzutauchen.

Sind das alles CDs, auf die du zurückgreifst, oder wie gehst du vor?

Wie gerade gesagt, begann es erstmal mit MP3’s, die ich über Blogs und Musikforen bekommen hatte. Dort habe ich dann auch eigene Rips geteilt, also Musik von CD’s, LP’s und Singles für andere hochgeladen, damit diese sie wieder runterladen. Das ist natürlich nicht legal, und ich hatte immer wieder Gebissensbisse. Ein ungeschriebenes Gesetz unter vielen Musikbloggern war (und ist), keine Musik hochzuladen, die aktuell zu kaufen war, also nur Rares und Vergriffenes. Daran habe ich mich mehr oder wenig gehalten, als ich öffentliche Blogs hatte. Bei privaten Blogs wurden die Zügel dann lockerer gelassen. Ich nutze auch heut noch beides – MP3’s von meinen großen HD’s (also runtergeladene Musik aus unterschiedlichsten Quellen), und meiner CD-Sammlung. Ich habe inzwischen 3749 CD’s – das weiß ich so genau, weil ich alle bei Discogs eingepflegt habe – und dadurch kann ich sie auch gut durchsuchen, wenn ich einen Mix mache.

Welche Rolle spielt Karl Lippegaus für dich bei deiner Auswahl? Was fällt dir als Erstes zu ihm ein?

Karl Lippegaus kenne ich von SDR2, wo er abends Musiksendungen gemacht hat. Das war in den frühen 1990ern. Eine der ersten Sendungen, die ich dann auch auf Kassette aufgenommen habe, widmete er der holländischen Improvisationsmusik, da spielte er solche Künstler wie Willem Breuker, Misha Mengelberg, Maarten Altena, Ernst Reijseger oder das Klezmerensemble Klezmokum von Burton Greene, der nach Holland gezogen war. Die Musik war das eine, aber die Geschichten und Anekdoten, die es in der Sendung dazu gab, machten das Ganze noch viel lebendiger und anschaulicher, fütterten die Musik mit Historie und Sinn. Ich habe dann Jahre benötigt, bis ich alle CD’s gefunden habe, die er dort gespielt hat… aber es ist mir gelungen. Und später habe ich dann einen Mix daraus gemacht – „LPH 066 – Improvised Music from Holland (1973-94)“, gewidmet, natürlich, Karl Lippegaus – https://oranglucky.blogspot.com/2016/11/066.html (hier zu hören und nachzulesen).

Bei der wahnsinnigen Auswahl an Musik, die du da vorstellst, gibt es überhaupt noch eine Lieblingsmusik?

Eine Lieblingsmusik hatte ich selbst als 14-Jähriger nicht. Es gab meist eine Lieblingsgruppe (erst Frankie Goes to Hollywood, dann The Art of Noise, und dann breitete sich das Ganze immer mehr aus). Aber worauf ich immer wieder komme, ist Musik für das Akkordeon. Das ist natürlich kein Genre, sondern ein Instrument, mit dem ganz unterschiedliche Musik gemacht wird, von Folklore aus aller Welt, hin zu Tango und Klezmer, Jazz und Klassik, und ganz viel schräge Populärmusik, wie z. B. Attwenger oder Accordions Go Crazy (beide wurden vom Münchner Trikont-Label verlegt).

Eine Idee für die 1000.


Eine Idee ist, bei 999 Schluss zu machen. Und die Idee ist momentan für mich am schlüssigsten. Deine Frage „Geht es auch ohne?“ ist hierbei natürlich am entscheidensten. Es kann sein, dass ich morgen von einem Laster überrollt werde, dann wäre mit LPH 992 Schluss (ich gehe heute nicht mehr raus, deswegen muss ich heute keine Angst vorm Laster haben, und nachher poste ich das auf meinem Blog und im Internet Archive). Wie ich mich kenne, ist mit 1000 noch lange nicht Schluss. Vielleicht ändert sich das Format. Vielleicht fange ich auch an, Mixe nur noch für mich persönlich zu machen – warum öffentlich posten, wenn eh niemand was dazu schreibt? Aber das ist nach Kommentaren fischen, das weiß ich wohl. 1000 – vielleicht mache ich einen Mix mit Musik von Jan Klares Gruppe „1000“, die ich im Brückenstern live gesehen habe, eine ganz tolle Band – https://www.discogs.com/artist/1123167-1000-2 – das wäre doch schlüssig, oder?!?

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