Aufzeichnung vom 26.03.2025 im Literaturhaus Leipzig. Gäste: Vigdis Hjorth, Matias Faldbakken, Trude Teige, Erik Fosnes Hansen, Kjersti Anfinnsen und Tomas…
Von Elke Bredereck und Maynat Kurbanova (DLF). Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs strebte Tschetschenien nach Unabhängigkeit. Doch Russland führte mehrere Kriege, um die frühere Sowjetregion in seinen Machtbereich zu ziehen. Bis heute kämpfen Tschetschenen im Exil für die Freiheit ihres Landes.
Tschetschenien. Der Name ruft Bilder auf: Ruinen, Bomben, Kämpfer, Islam. Kaum jemand weiß in Europa, wo genau dieses Land liegt, wie seine Sprache klingt oder was es bedeutet, dass die tschetschenische Grußformel „Kommt frei“ und der Abschied „Geht frei“ heißt. Seit dem Ende des zweiten Tschetschenienkrieges lebt ein großer Teil dieses Volkes im europäischen Exil – in Deutschland, Österreich, Belgien, Frankreich, Norwegen. Sie leben unsichtbar, ohne eigene Botschaften und ohne Fürsprecher. Maynat Kurbanova, aufgewachsen in Tschetschenien und seit mehr als 20 Jahren in Deutschland und Österreich, und Elke Bredereck, Kaukasus-Kennerin aus Berlin, sind durch ganz Europa gereist. Sie haben mit Nachfahren der Stalin-Deportation gesprochen, mit einer Frau, die acht Jahre unschuldig ein russisches Straflager überlebte, mit einem Schweizer Diplomaten, der beim Friedensabkommen zwischen Russland und Tschetschenien im Jahr 1996 dabei war. Es kommen junge Menschen aus Wien zu Wort, die zwischen tschetschenischen Familientraditionen und europäischem Alltag ihren eigenen Weg suchen und darüber auf der Theaterbühne und in selbstverfassten Texten auch lachen können. Europa hat bei den Tschetschenien-Kriegen weggesehen und zu Beginn des Krieges gegen die Ukraine 2014 auch nicht genau hinsehen wollen. Diese Sendung aber schaut hin: auf Geschichte, auf Traumata, auf den Willen zum Widerstand, aber auch auf Gebote eines Ehrenkodex und darauf, was von der Erinnerung bleibt, wenn diese nur noch im Exil einen Ort hat.
Traum von Unabhängigkeit und Freiheit
Die Lange Nacht über Tschetschenien
Von Elke Bredereck und Maynat Kurbanova
Regie: Roman Ruthardt
© Deutschlandfunk, Lange Nacht, 5.9.2026
