Anything Goes oder der Schock der Pilgerväter
Von Thomas Combrink (FAZ). Ella Fitzgerald setzte ihre Stimme zu Swing und Bebop, aber auch in Liedern des „Great American Songbook“ ein. Bei Cole Porters „Anything Goes“ verschmelzen die anspruchsvollen Verse mit ihrem Gesang zu einer Einheit.
Das Lied „Anything Goes“ schrieb Cole Porter für sein gleichnamiges Musical, das 1934 in New York erstmals aufgeführt wurde. Aus demselben Jahr existiert eine Einspielung, in welcher der Komponist das Stück singt und sich dabei auf dem Klavier begleitet. Ella Fitzgerald, die von 1917 bis 1996 lebte und zu den bedeutenden Sängerinnen des Jazz gehört, nahm 1956 das Lied auf, im Rahmen eines Doppel-Albums mit Songs von Cole Porter.
Sie trägt allerdings eine geraffte und bearbeitete Fassung des ursprünglichen Textes vor. Der Komponist hatte noch in den dreißiger Jahren die Verse und Zeilen des Liedes um die Passagen und Worte gekürzt, die einerseits obszön klangen und andererseits auf Personen und Umstände anspielten, die nur für Zeitgenossen verständlich waren. Aber auch der Text, den Ella Fitzgerald singt, besitzt die Intelligenz, den Charme und die Leichtigkeit, welche die Songs von Cole Porter auszeichnet, auf den der Ausdruck „sophisticated“, also anspruchsvoll, häufig angewendet wurde.
© FAZ, Feuilleton, 20.2.2025