Von Jean-Pierre Goffin. Als klassische Musikerin, die sich vor allem der zeitgenössischen Musik widmet, hat die Cellistin Sigrid Vandenbogaerde oft…
Von Ferdinand Dupuis-Panther. “Disubbidire sempre” ist das Debutalbum des Pianisten Fausto Ferraiuolo und des Klarinettisten Gabriele Mirabassi. Der Pianist sorgt für ein Klangfundament, derweil der Klarinettist für melodische „Eskapaden“ sorgt. Das gilt auch für das Eröffnungsstück „Rêverie“. Folgen wir also den Tagträumen, die uns das Duo erleben lässt.
Es ist ein Projekt, das durch Verspieltheit, Zuhören und eine bewusste Respektlosigkeit Gestalt annimmt: diejenige derer, die die Regeln in- und auswendig kennen und sich immer wieder dafür entscheiden, sie in Frage zu stellen. In diesem Zusammenhang ist Ungehorsam kein Akt der Rebellion um ihrer selbst willen, sondern ein notwendiger Schritt auf dem Weg des Wachstums und der Selbstfindung. Es ist eine Haltung, die ebenso sehr zur Kindheit gehört wie zur Reife: die Fähigkeit, abzuweichen, zu experimentieren, unerwartete Möglichkeiten zu eröffnen. Wie im Jazz entsteht Freiheit gerade aus dieser Abweichung – aus der Spannung zwischen Struktur und Erfindung, zwischen Strenge und Ungezwungenheit. Im Dialog zwischen Klavier und Klarinette nimmt diese Haltung eine klangliche Form an: Die Technik verbiegt sich, dehnt sich aus, bricht; der Klang wird zuweilen rau, luftig, unvollkommen, um dann in neuen Konstellationen das Gleichgewicht wiederzufinden. © Text: Liner Notes
Dabei scheint der Klarinettist derjenige, der sich den Träumereien hingibt. Verhalten ist hingegen der Pianist. Mit „À deux“ geht es weiter, einem Titel, der für ein Duo sehr passend ist. Zu Beginn vernehmen wir den Pianisten mit großer Geste. Auf diese reagiert der Klarinettist mit feinen Tonfolgen. Dabei hat man den Eindruck, der Klarinettist würde ein Ballettpaar bei seinen Drehungen begleiten. Auch dem Pianisten gelingen nachfolgend melodische Drehungen. Will man die beiden Instrumentalisten mit Ballett und modernem Tanz vergleichen, so steht der Klarinettist für das Ballett und der Pianist für modernen Ausdruckstanz, oder?
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