Hypnotic, part acoustic and part electronic songs full of Turkish longing, Brazilian melancholy and Persian wisdom, by singer Sanem Kalfa…
Die Musik dieses Albums ist gefährlich – gefährlich tiefgreifend, gefährlich mühelos, gefährlich unverstellt, gefährlich poetisch, gefährlich nah, gefährlich intim, gefährlich entrückt, gefährlich rein, gefährlich geheimnis- voll, gefährlich anders, gefährlich … Warum?
Weil sie ihre Hörer mit großer Unmittelbarkeit in einen Zustand der Augenblicklichkeit und der Andersweltlichkeit poetischer Empfindungen entführt, die hautnah erlebbar ist. Es handelt sich nicht um vertonte Poesie; es ist selbst schon Poesie für sich – ein Ort, an dem geschriebene Poesie ein passendes Zuhause findet.
Die drei Musiker – Sanem Kalfa aus Trabzon am Schwarzen Meer (Gesang und Cello), George Dumitriu aus Bukarest (Gitarre und Viola) sowie Joachim Badenhorst aus Antwerpen (Bass)Klarinette – bringen ihre Empfindungen musikalisch höchst direkt zum Ausdruck. Sie finden blind zueinander, geleitet von organischen Gesten in einem natürlichen Fluss. Ja, und dann gibt es noch Elektronik (von Dumitriu und Kalfa) – eine sehr musikalische, subtile, organische Elektronik.
Es ist radikale Musik. Radikal im Geist, radikal im Mut zum Ausdruck, radikal im Aufgreifen von Stimmungen, radikal darin, die Tore zur Empfindsamkeit zu öffnen und sich ihr hin- zugeben. In diesem Prozess erreichen sie einen Zustand, in dem die Musik sich ‘von selbst spielt’ und aus ihrem Inneren herausströmt – ein Zustand, der die Zuhörer – gleichsam als Komplizen – zutiefst berühren kann, sofern sie bereit sind, sich darauf einzulassen. Singen ist nicht gleich Singen. Hier entspringt der Gesang einer außergewöhnlichen menschlichen Stimme, die auf ebenso selbstverständliche wie magische Weise mit den instrumentalen Stimmen verschmilzt.
© Texte: Henning Bolte, 09/2026



