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Bandcamp Musiktipp: Tyondai Braxton – Splayed Werks / Erased Tapes

Von Shaun Brady. Kunst ist selten so geordnet wie eine Galerie – oder ein Rockalbum, wenn man das schon mal anspricht. Selbst wenn Zurückhaltung im Spiel ist, selbst wenn das Werk fertig ist, herrscht im Studio das reinste Chaos. Das ist eigentlich genau der Punkt: Beim Festhalten von Ideen herrscht immer ein bisschen Chaos. Tyondai Braxton versteht das. Wer damals dabei war – vielleicht wer die späten 2000er miterlebt hat –, erinnert sich an seine Zeit als Frontmann der experimentellen Wunderkinder Battles.

Doch sein Weg war nie wirklich für eine Rockband vorgesehen, wie die Zeit nach seinem Ausstieg zeigte. Vielmehr ging es ihm darum, sich durch das Komponieren an der Dissonanz von Musik in verschiedenen Formen zu erfreuen. Er ist der Typ Mensch, der besser zu seinen Mitwirkenden Kronos Quartet und Jefre Cantu-Ledesma passt als beispielsweise zu Grizzly Bear. Braxton fühlte sich bei Orchestern und in Museumsrotunden wohler als in Bars und auf Open-Air-Festivals, wo eher die Musik als der Künstler chaotisch sein konnte. Diese Streifzüge ins Chaos zahlten sich natürlich aus – in Form einer wohlverdienten Professur für Musikkomposition in Princeton.

Sein neuestes Album, Splayed Werks, verdeutlicht diese Abweichung noch weiter. Es handelt sich nicht um einen Prozess, bei dem man „wochenlang im Studio sitzt und dann eine Platte herauskommt“. Stattdessen ist es, wie er selbst zugibt, das Ergebnis von Experimenten mit verschiedenen Klängen und Klanglandschaften, die er über mehrere Jahre hinweg nach der Pandemie live bei Auftritten ausprobiert hat, bevor er sie auf Platte festhielt. Das Ergebnis unterscheidet sich von der impliziten Ordentlichkeit einer Platte und schwelgt stattdessen in dem Chaos, das es erzeugt.

Der Titel des Albums ist treffend: Die Tracks breiten sich aus, nachdem sie auf den Boden gefallen sind, und bewegen sich in jede erdenkliche Richtung. Über den Boden, die Wände hinauf, in Lüftungsschächte – und in diesen finden manchmal Raves statt, bei denen die dünnen Wände als Beat dienen („Dia“). In einem Moment stellt er einen kurzen, tanzbaren, unterhaltsamen Titel zusammen („UnFS“); in anderen spielt er mit schrillen Percussion-Klängen, während er etwas Ätherisches andeutet, das nur Augenblicke später in den Mittelpunkt rückt („4 Zones“).

Es gibt kein Thema, keine übergreifende Struktur, die sich ordentlich auf ein Galerietafeln oder in Liner Notes unterbringen ließe. Die Länge reicht von einem zweiminütigen Einstieg in einen abgelegenen Kuriositätenladen (der Opener „Bell Smear“) bis hin zu einer 10-minütigen Klanglandschaft endloser Unruhe (der Abschluss „K Space“). Die Stimmung schwankt zwischen Tanznummern und Meditationen („Salt Point“). Nach etwas Kollektivem zu greifen, ist wie mit bloßen Händen an den Saiten einer Bratsche zu zerren („Realistic Water“). Was aber auch gut so ist, denn man kann die Titel für sich allein genießen, was zeigt, dass Braxton es immer noch in sich hat, nach eigenem Ermessen in verschiedene Richtungen zu gestalten. Er lässt sich nicht auf einen Stil festlegen, und dieses Album spiegelt das wider. Splayed Werks würde nicht in eine Kunstgalerie passen, und es ist auch nicht wirklich eine Platte. Genau das macht es so gelungen.

© Bandcamp Daily, 20.8.2026

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