Ab 28.3.2024 in den Kinos. Ende 2022 nahm Ryuichi Sakamoto all seine Energie zusammen, um uns mit einem letzten Auftritt…
Von Julian Weber (TAZ). Die Ausstellung „Seeing Sound, Hearing Time“ im Hamburger Bahnhof Berlin zeigt erstmals in Europa Kunstwerke des japanischen Popstars und Komponisten Ryuichi Sakamoto.
Eine Waldlandschaft mit Tannen und Laubbäumen, Moosflechten am Boden und Nebelschwaden in der Luft. Rechts auf dem 18 Meter langen Splitscreen laufen schlierige Strahlen, die das vertikale Licht- und Farbspektrum des Walds aufnehmen und horizontal über das Bild wandernd in Streifen darstellen, bis sie Pixel für Pixel eingescannt werden und verschwinden. Der französische Satz „encore la pleine lune se lever?“ (Geht der Vollmond wieder auf?) flimmert milchig-weiß über einem Streifen.
„Ryuichi Sakamoto. Seeing Sound, Hearing Time“, Hamburger Bahnhof Berlin, bis zum 20. Juni 2027, Katalog 20 Euro
Wer nun glaubt, gleich fliegt Antoine Saint-Exupéry auf einem Looping vorbei, wird von der dezenten, mit Widerhaken und Glitches aus einem EMS-Synthesizer zerschredderten Pianomusik aus den Boxen des monumentalen 14-Kanal-Soundsystems eines Besseren belehrt. Was meditativ zurückhaltend wirkt, betäubt gleichzeitig vom reinen Überfluss der Technik- und Medieninszenierung: „seeing sound, hearing time“ heißt die immersive Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin, die das vielgestaltige künstlerische Werk des japanischen Popstars, Filmkomponisten und Schauspielers Ryuichi Sakamoto erstmals überhaupt mit einer Schau in einem europäischen Museum würdigt.
© TAZ, Kultur, Musik, 10.9.2026
