Ö1 Kunstradio präsentiert Ko-Produktionen, die gemeinsam mit dem Radiophrenia Festival in Glasgow, Schottland entwickelt wurden. Radiophrenia ist eine Radiostation auf…
Mit Anna Soucek (Ö1, Blaue Stunde). Eine Hommage an das jugoslawische Radio Novi Sad der ungarischen Klangpoesie-Pionierin Katalin Ladik, eine akustische Erforschung der Berührung des südkoreanischen Komponisten und Klangforschers Suk Jun Kim und eine zeitgenössische Interpretation der barocken Instrumentalform der Chaconne von der französisch-argentinischen Komponistin und Videokünstlerin Elsa Justel.
Der gemeinsame Nenner dieser drei Stück ist ein schottisches Radiokunstfestival: Radiophrenia ist eine Radiostation auf Zeit – eine zweiwöchige Erkundung aktueller Trends in der Radiokunst und der Sound Art. 24 Stunden am Tag sendet Radiophrenia live aus Glasgow, mit dem Zweck die Kunstform Radio zu fördern, sowie neue, anspruchsvolle und radikale Zugänge zu Radio anzuregen.
Das erste Mal ging Radiophrenia im April 2015 auf Sendung, weitere Ausgaben folgten 2016, 2017, 2019, 2020, 2022, 2023 und 2025. 2026 findet Radiophrenia vom 7. bis 20. September statt. Live-Studio-Shows, vorproduzierte Radiokunstarbeiten und Live-on-air-Performances stehen auf dem Programm, sowie siebzehn Auftragsarbeiten, vier davon in Ko-Produktion mit Ö1 Blaue Stunde.
Der Großteil des Programms wurde aus Sound Art Stücken und Radiokunst-Werken ausgewählt, die auf einen internationalen Open Call hin eingereicht worden sind. Auch eine Auswahl von acht Radiokunstproduktionen aus dem umfangreichen Ö1 Kunstradio-Archiv ist Teil des Radiophrenia Festivalprogramms, diesmal zum Motto „sub zero“, also Untergrund, Höhlen, Kanalsysteme, alles was unter der Erde verborgen ist.
Teil 1. Ko-Produktionen mit dem schottischen Radiokunstfestival:
„Chacona“ von Elsa Justel
„(de)touch“ von Suk Jun Kim
„Spacetime Roe“ von Katalin Ladik
Teil 2. Ko-Produktionen mit dem schottischen Radiokunstfestival:
„Sisyphon“ von Antje Vowinckel
„a face for radio“ von Vanessa Rossetto
Das Stück „Sisyphon“ der deutschen Soundkünstlerin, Radiomacherin und Komponistin Antje Vowinckel setzt sich aus den Stimmen von Mitarbeiterinnen und Telefonisten in internationalen Call Centern zusammen. „In der Warteschleife zu hängen und darauf zu warten, endlich mit einem Mitarbeiter sprechen zu können, ist eine Erfahrung, die jeder kennt – und doch spricht niemand darüber. Man drückt das Ohr an den Hörer und hält den Mund, um den entscheidenden Moment nicht zu verpassen. Wir alle hören und sagen genau dasselbe – fast wie bei einem Konzert, doch in völliger Isolation. Es ist an der Zeit, diesem Thema einen öffentlichen Raum zu geben. Antje Vowinckel hat sich viele aufgezeichnete Ansagen angehört, bis sie endlich durchgestellt wurde.“ Die Recherche dazu wurde vom Deutschen Musikfonds unterstützt.
Laut Jugendlexikon ist das Radiogesicht „ein Gesicht, das man besser nicht im Fernsehen zeigt, da es sehr hässlich ist. Wenn es im Radio „gezeigt“ wird, meidet man dieses Gesicht.“ – den Radiogesichtern und ihrer Attraktivität hat Vanessa Rosetto die Radiokomposition „a face for radio“ gewidmet.
Vanessa Rossetto ist eine US-amerikanische Komponistin und „Chipper-Shredderin“, die alle Klänge, die ihr über den Weg laufen, zu weitläufigen, langatmigen Erzählungen verarbeitet. Die gelernte Malerin begann 2007, mit Klang zu arbeiten, um das Element der Zeit in ihre Arbeit einzubeziehen.
© Ö1, Blaue Stunde, 7.9. + 14.9.2026
