Nik Bärtsch & Tania Giannouli at St. Paul’s sessions. 26 January 2024, Athens Conservatory (GR). Nik Bärtsch: piano + Tania…
Im Bereich der freien Improvisation gibt es viele internationale Zusammenschlüsse in Form von Gruppen. In anderen Bereichen ist dies weniger üblich. Die Pianisten Tania Giannouli und Nik Bärtsch, ein gleichberechtigtes Duo musikalisch gleichgesinnter Seelen, haben sich trotz einer beträchtlichen geografischen Entfernung zueinander gefunden – ein wahrhaft europäisches Duo mit Athen (Griechenland) und Zürich (Schweiz) als Heimatstädten.
Die Kunst des Duos … doch eigentlich handelt es sich um ein Trio, denn … denn die beiden Pianisten – die vier Hände – spielen mit Raum(en) und zaubern die Magie der Räume herbei. Die Wahrnehmung von Klang und Raum bedingt sich gegenseitig, und diese beiden Musiker schaffen bemerkenswert raffinierte und natürliche Wechselwirkungen dieser engen Beziehung. Hinter jedem Raum eröffnet sich für den Zuhörer durch meisterhaftes Timing und ein subtiles wie präzises Zusammenspiel ihrer initiierenden, unterstützenden, betonenden oder vertiefenden Klaviersätze ein weiterer Raum. Die Musik des Albums ist zudem Ostinato-Kunst auf höchstem Niveau.
Und es gibt noch mehr, z. B. den meisterhaften Wechsel zwischen Vordergrund und Hintergrund sowie das Zusammenspiel von tiefem und hohem Register mit dem im richtigen Moment erfolgenden Durchbruch von Voicings im mittleren Register (würde Gil Evans das hören, würde er lächeln). Und dann sind da noch die Bassklänge und die Bassfunktion, die in diesem Kontext echte Magie entfalten. Man hört eine Art Minimalismus, der ständig auf reichhaltige melodische Welten anspielt und sich diesen öffnet und durch kostbare Perkussion aus dem Inneren der Klaviatur bereichert wird. Beim Hören der Musik fällt auf, dass Giannouli und Bärtsch – ganz unbeabsichtigt – rein akustisch das tun, was andere mit komplexen elektronischen Loops und Sampling erreichen.
Aber … aber in meinen Ohren ist die rein akustische Dynamik hier flexibler, schneller und stimmiger ineinandergreifend. Die Themen und Motive, die man auf dem Album hört, wirken äußerst offensichtlich. Als ob sie zum Greifen nah wären und schon lange durch den Kosmos (und unsere Seelen) gewandert wären … wodurch sie für die Zuhörer zu etwas Kraftvollem werden – etwas, in dem sie sich wiedererkennen und mit dem sie sich identifizieren können. Die acht Stücke mit einer Länge zwischen 4,5 und 13 Minuten sind gemeinsam live improvisierte Weiterentwicklungen früherer Stücke beider Musiker. So ist beispielsweise „Door 13/Pink Athens“ eine Erweiterung von Bärtschs „Modul 13“ und „Electric Sea“ stammt aus Giannoulis „Grey Blue“ von ihrem Soloalbum. Release-Konzert von Metakosmos am 24. Oktober in Ludwigshafen beim Enjoy Jazz Festival.
© Europejazz.net, Media Chart 10/2026, Alle Texte: Henning Bolte



