Sie waren für viele Jahre meine Helden: Jean-Paul Belmondo und Alain Delon. Jetzt ist der ältere von beiden nicht mehr…
Die Radiotipps in der Übersicht für alle Kultursender des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks, ByteFM sowie des Ö1.
00:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Lange Nacht
„Stadtpfarrer des Universums“ Die Lange Nacht über Jean Paul
Von Sabine Fringes Regie: die Autorin
Ihm sind Wortneuschöpfungen wie Weltschmerz, Angsthase, Schmutzfink oder Gänsefüßchen zu verdanken: Jean Paul darf bis heute als einer der modernsten, erfindungsreichsten und tiefsinnigsten Erzähler gelten. 1763 in Wunsiedel als Sohn eines Pfarrers in ärmste Verhältnisse hineingeboren, übte er sich zunächst an Satiren, bevor er mit seinen beiden ersten Romanen Aufsehen erregte und mit „Hesperus“ 1795 zum meistgelesenen Autor seiner Zeit aufstieg. „Der ist noch über Goethe“, befand der Schriftsteller Karl Philipp Moritz. Schiller hingegen empfand ihn nach einer persönlichen Begegnung als „fremd, wie einer, der aus dem Mond gefallen“ sei. Jean Paul war so eigentümlich wie viele seiner Figuren: Zu Hause betrieb er intensive Wetterforschungen mit Fröschen und Fliegen und glaubte an die fantasiebeflügelnde Kraft des Bayreuther Biers. Den Bitten seiner Verehrerinnen nach einer Dichterlocke kam er gelegentlich mit einer Locke seines Pudels nach. In seinen Romanen bringt er die Leser innerhalb kürzester Zeit vom Weinen ins Lachen, vom Vergänglichen zum Ewigen, vom Empfindsamen zum Satirischen, vom Sonntagsbraten am häuslichen Esstisch – ins All mit seinen Monden und Kometen. „Denn ein Autor ist der Stadtpfarrer des Universums“, befand Jean Paul.
05:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Aus den Archiven
Luise Rinser – Literatin und Nazi-Verstrickte. Von Dagmar Ploetz und Heike Schneider
Deutschlandfunk 1981 / Deutschlandradio 1996
Vorgestellt von Isabella Kolar
Luise Rinser, 1911 in Pitzling in Oberbayern geboren, war eine der meistgelesenen und bedeutendsten deutschen Autorinnen, nicht nur der Nachkriegszeit, und eine moralische Instanz. Da aber das Bild, das sie selbst durch ihre Autobiografie von sich kreiert hatte, nicht mit der Wirklichkeit ihres Lebens unter der Herrschaft der Nationalsozialisten übereinstimmte, wurde sie gleichzeitig zu einer umstrittenen Persönlichkeit.
Wie heute bekannt ist, hat Luise Rinser als junge Lehrerin mit Adolf Hitler und dem Nationalsozialismus sympathisiert und war auch als Autorin tiefer in das Regime verstrickt, als sie es selbst zugestanden hätte. Fakt ist aber auch, dass sie mehrere Monate wegen Wehrkraftzersetzung in Traunstein im Gefängnis einsaß. Eine grundlegende Veränderung muss in der Gesinnung der Frau während der letzten Kriegsjahre stattgefunden haben. Luise Rinser stand deshalb immer wieder im Mittelpunkt zahlreicher Recherchen. Seitdem hat sich das Bild der Autorin, das sie, wie man heute weiß, auch selbst geschickt inszeniert hatte, radikal gewandelt.
10:05 Uhr Deutschlandfunk Klassik-Pop-et cetera
Am Mikrofon: der Jazz-Schlagzeuger Günter „Baby“ Sommer
Er macht aus Rhythmus Erzählung und aus Klang Bewegung. Der Dresdner hat dem Jazz neue Räume geöffnet.
Günter Sommer wurde 1943 in Dresden geboren, aus der DDR heraus entwickelte er sich zu einem prägenden Schlagzeuger des europäischen Jazz. Nach dem Studium an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden widmete er sich vor allem der freien Improvisation und spielte in Bands von Klaus Lenz, wo er den Spitznamen „Baby“ erhielt – in Anlehnung an den US-amerikanischen Jazz-Schlagzeuger Warren „Baby“ Dodds. Mit der Band Synopsis, später unter dem Namen Zentralquartett wurde Sommer zu einer eigenen Jazz-Marke. Charakteristisch für Sommer ist ein hochgradig individualisiertes Instrumentarium – alles kann für ihn zum Schlagzeug werden! Sommer entwickelte sein Solo-Konzept „Hörmusik“, arbeitete mit Künstlern wie Peter Brötzmann, Cecil Taylor und Günter Grass und hat seit 1995 eine Professor in Dresden.
14:00 Uhr Ö1 Hörspiel
Jelinek, Brusatti, Schubert und „Mischwerk“
Elfriede Jelineks „Oh Wildnis, oh Schutz vor ihr“ ist eine „fulminante Attacke gegen die mystische Verklärung der Natur“.
Ton: Fritz Trondl und Manuel Radinger, Musik: Mischwerk, Regie: Otto Brusatti (ORF 2019)
Jelinek misstraut der romantischen Vorstellung einer „reinen“ Natur. Der Wald ist nicht einfach Naturraum, sondern ökonomisch genutzt, medial inszeniert und ideologisch aufgeladen. In „Oh Wildnis, oh Schutz vor ihr“ richtet sich die Satire auch gegen die österreichische Verbindung von Natur, Heimat, Besitz und Tourismus. Natur wird zur Ware – und zugleich zum scheinbar unpolitischen Raum, hinter dem gesellschaftliche Machtverhältnisse verschwinden können.
17:05 Uhr Ö1 Diagonal
William S. Burroughs. Eine Hommage
Nova Convention Revisited. 1978 fand ein heute legendäres, dreitägiges Multimedia-Festival im New Yorker East Village statt. Die Nova Convention feierte den Autor William S. Burroughs und vereinte wichtige Figuren der Avantgarde- und Gegenkultur mit Lesungen, Performances und Musik. +++ Anschl.: Diagonals Feiner Musiksalon: Allen Ginsberg, Peter Orlovsky, Steven Taylor – Live in Graz 1980 – America, Give a shit!
18:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Feature
„Perle“ Der Weg zurück zur körperlichen Unversehrtheit. Von Yasmina Hamlawi
Regie, Bearbeitung und Übersetzung aus dem Französischen: Annika Erichsen
Komposition: Manuel Hermia Ton: Manfred Seiler SWR 2023
Fos wächst in Somalia mit weiblicher Genitalverstümmelung auf – für sie ist das Normalität. Sie entkommt diesem Schicksal und findet in Belgien einen Weg zurück zu ihrem Körper und zu ihrer „Perle“, der Klitoris.
18:20 Uhr SWR Kultur Jazz
Schwäbisches Klangnetzwerk – Die IG Jazz Stuttgart wird 50. Von Konrad Bott
Einer für alle, alle für eine – Solidarität unter Musikerinnen und Musikern ist wichtig. Oft ist es nämlich schwierig, Auftritte oder Förderanträge klarzumachen, einen Überblick zu bekommen, wer einem bei was helfen und wo man sich selbst sinnvoll einbringen kann. 1976 haben Jan und Gertie Jankeje die „IG Jazz Stuttgart“ gegründet, um das in einem regionalen Rahmen möglich zu machen. Seitdem ist die IG Jazz aus dem Jazzbetrieb im Ländle nicht mehr wegzudenken. Was genau die Interessensgemeinschaft tut und was sich in den letzten Jahrzehnten verändert hat erfahren Sie in dieser Sendung.
19:00 Uhr Bremen 2 Sounds
„English Heritage“ – Neues von Songwriter-Legende Richard Thompson und Gitarrenvirtuose Martin Simpson. Außerdem: The Roches – eine (fast) vergessene Folklegende aus New York. Und: Female Black Voices Deluxe: Dianne Reeves, Lizz Wright, Lalah Hathaway. Sowie: Die Altvorderen und ihre nie endenden Tourneen.
19:00 Uhr HR 2 Blue Notes in vielen Farben
Chuck Berry zum Hundertsten | Steve Croppers letztes Album | Neues rund um Memphis | John Primer & Friends feiern „Theresa’s Lounge“
20:00 Uhr ByteFM Electro Royale Musik aus Strom mit Martin Böttcher
No Fun WITH NAMES!
Der Produzent Pdqb lüftet das Geheimnis um seinen Namen. Electro Royale lüftet mit! Shyza Minelli wird „Nasty!“. Und Anna Kost liefert schwere Kost! So viel zum Thema: Namen im Clubbereich! Die Sounds natürlich gewohnt hochkarätig!
20:05 Uhr Deutschlandfunk Hörspiel
„r_crusoe“ Posthume Robinsonade. Von wittmann/zeitblom
Regie: die Autoren Ton: Boris Wilsdorf Deutschlandfunk/SWR 2021
Die Erde nach dem Aussterben der Menschheit. Wie geplant aktiviert der Hochleistungsrechner G.A.I.A. das Programm r_crusoe. Es modelliert im 3D-Druck-Verfahren ein neues humanes Wesen. Seine Mission: Wiederbesiedlung des Planeten.
22:00 Uhr Bremen 2 Sounds in concert
Musikfest Bremen: Robinson Khoury
Bei Robinson Khoury treffen die elektronischen Sounds eines Jean-Michelle Jarre auf die Durchschlagskraft des Dune-Soundtracks und ganz viel Virtuosität. Ein mitreißendes Konzert am Eröffnungsabend des Musikfest Bremen 2026.
22:05 Uhr Deutschlandfunk Atelier neuer Musik
Neue Produktionen aus dem Deutschlandfunk Kammermusiksaal
Detlef Heusingers Kompositionen für Gitarre und Stimme
Detlef Heusinger (*1956)
Todesfuge
Spurenelemente
Im Schweigen schwimmend
Im Luftgrab
Ballade cruelle
Inga Schäfer, Sopran
Jakob Kunath, Bariton
Jürgen Ruck, Gitarre
Detlef Heusinger, Gitarre
Aufnahmen vom März 2026 im Deutschlandfunk Kammermusiksaal
Am Mikrofon: Egbert Hiller
Aus seiner Musik sprechen die Schatten der Vergangenheit und die Hoffnung auf eine bessere, Vergangenes reflektierende Welt.
„Im Luftgrab“ oder „Im Schweigen schwimmend ungehört“ heißen die Stücke, sie eröffnen Assoziationsräume und stehen für hochsensible, fragile Klangwelten. Der Komponist Detlef Heusinger orientiert sich an Grafiken von Francisco Goya und an Texten von Ossip Mandelstam oder von Paul Celan. Heusinger, ein sehr vielseitiger Musiker und langjähriger Leiter des SWR-Experimentalstudios in Freiburg, taucht aber nicht nur in historische Dimensionen ein. Mit seinem neuesten, im Deutschlandfunk Kammermusiksaal eingespielten CD-Projekt nimmt er auch Stellung zu einer Zeit, deren Zeichen auf Aggression, Spaltung, Fake News und Perspektivlosigkeit stehen.
23:00 Uhr HR 2 The Artist’s Corner
Franz Martin Olbrisch: Ch‘ungmu – Farben des Lichts (2017)
Duryong-po, Chunwon-myeon, Tongyeong-myeon, Ch‘ungmu, Tongyeong… die Stadt im Süden der koreanischen Halbinsel wechselte im Laufe der Geschichte mehrfach ihre Namen. Im 16./17. Jahrhundert erreichte das einstige Fischerdorf seine Blütezeit.
23:05 Uhr Deutschlandfunk Lange Nacht
„Stadtpfarrer des Universums“ Die Lange Nacht über Jean Paul
Von Sabine Fringes Regie: die Autorin
Ihm sind Wortneuschöpfungen wie Weltschmerz, Angsthase, Schmutzfink oder Gänsefüßchen zu verdanken: Jean Paul darf bis heute als einer der modernsten, erfindungsreichsten und tiefsinnigsten Erzähler gelten. 1763 in Wunsiedel als Sohn eines Pfarrers in ärmste Verhältnisse hineingeboren, übte er sich zunächst an Satiren, bevor er mit seinen beiden ersten Romanen Aufsehen erregte und mit „Hesperus“ 1795 zum meistgelesenen Autor seiner Zeit aufstieg. „Der ist noch über Goethe“, befand der Schriftsteller Karl Philipp Moritz. Schiller hingegen empfand ihn nach einer persönlichen Begegnung als „fremd, wie einer, der aus dem Mond gefallen“ sei. Jean Paul war so eigentümlich wie viele seiner Figuren: Zu Hause betrieb er intensive Wetterforschungen mit Fröschen und Fliegen und glaubte an die fantasiebeflügelnde Kraft des Bayreuther Biers. Den Bitten seiner Verehrerinnen nach einer Dichterlocke kam er gelegentlich mit einer Locke seines Pudels nach. In seinen Romanen bringt er die Leser innerhalb kürzester Zeit vom Weinen ins Lachen, vom Vergänglichen zum Ewigen, vom Empfindsamen zum Satirischen, vom Sonntagsbraten am häuslichen Esstisch – ins All mit seinen Monden und Kometen. „Denn ein Autor ist der Stadtpfarrer des Universums“, befand Jean Paul.

