Von Kevin Whitlock. Das neue Album 1:26 AM (improvisation) des Cincinnati-Klaviertrios On a Limb orientiert sich am Vorbild von The…
Von Liam Noble. Eine „All-Star“-Rhythmusgruppe aus Herbie Hancock, Ron Carter und Joe Chambers mag den Eindruck erwecken, als seien sie nur dazu da, den Status des Bandleaders irgendwie zu erhöhen, doch er steht ihnen hier in nichts nach.
„Earl’s World“ klingt fast wie ein Stück der Jazz Messengers, doch Art Blakeys Ansatz wird zugunsten einer eher interaktiven als treibenden Rhythmusgruppe vermieden. Tolliver hat einen unglaublich direkten Klang und formt wunderschöne Melodielinien aus der geradlinigen Sequenz. Hancock ist natürlich wie immer unglaublich, und sein Spiel hat hier etwas besonders Lockeres an sich, als hörten wir jemanden, der es gewohnt ist, in Konzertsälen zu spielen (wie es bei Miles der Fall war), nun aber in einem kleinen Club auftritt. Ron Carter verleiht allem auf ruhige Weise das Außergewöhnliche, und Joe Chambers hat einen mitreißenden Schwung, vielleicht weniger kraftvoll als das bekanntere dritte Mitglied dieser Rhythmusgruppe, Tony Williams.
Man vergisst leicht, dass viele Aufnahmen, die heute als Kult gelten, ganz beiläufig an einem einzigen Tag entstanden sind und für viele Musiker einfach nur ein weiterer Arbeitstag waren. Während Labels wie Blue Note dazu neigen, ihre Veröffentlichungen als wesentliche Kapitel der Musikgeschichte zu verherrlichen, hätte dieses in Eigenregie auf Tollivers eigenem Label „Strata East“ (dessen Miteigentümer ein weiterer sträflich vernachlässigter Musiker ist, der Pianist Stanley Cowell) erschienene Album damals wahrscheinlich weitaus weniger Beachtung gefunden. Hoffentlich lenkt diese neue Neuauflage die Aufmerksamkeit auf die Musik, die zwischen den Seiten der Geschichtsbücher entstanden ist – dort, wo eine persönliche Synthese der vielen Einflüsse jener Zeit Musik von wahrer Kühnheit und Fantasie hervorbringen konnte. © Alle Texte: Liam Noble.
© UKJazznews, 22.8.2026
