Bernd Gürtlers Musiktipp: Carlos Niño & Friends – Extra Presence (International Anthem)
So ist es wohl, kein Ort der Eintracht und Harmonie diese Welt, denkt man bei den Eröffnungsstücken „In The Moment“ beziehungsweise „Explorations 7“. Aber dann bei „Actually“ verkrümeln sich die Dissonanzen.
Saxophon, Piano und Perkussion weichen einer Klingklangelektronik, die an frühe Kraftwerk erinnert und über einen offenbar aus Led Zeppelins „Whole Lotta Love“ gesampelten Beckenloop gelegt wurde. Schlagartig kann sich jeder, der möchte, aufgehoben fühlen, im Chaos, das ringsum waltet. Ein fast körperlicher Effekt, der eintritt, weil sich Musiker auf mehr als bloßes Musikmachen verstehen.
Begonnen hat Carlos Niño Mitte der neunziger Jahre als Deejay bei KPFK in Los Angeles. Außergewöhnlich seine Radioshows, berichten Zeitgenossen, weil er die Ursprünge des HipHop bis zurück an seine Wurzeln im Jazz aufdröselte, später New Age, Folk, Elektronik und alle übrigen Spielweisen jenseits seines Ausgangsspektrums einbezog.
© Talkingmusic, 25.7.2022