Von Ava Kofman. Aus dem amerikanischen Englisch von Beatrice Faßbender. Curtis Yarvin träumt vom Ende der Demokratie und einem amerikanischen…
Von Ava Kofman (DLF). Curtis Yarvin träumt vom Ende der Demokratie und einem amerikanischen Autokraten. Seine autoritären Ideen treffen den Nerv einer erschöpften Zeit und begeistern rechte Eliten wie Tech-Milliardär Peter Thiel oder US-Vizepräsident J.D. Vance.
In den schattigen Zwischenzonen des Internets, wo Silicon-Valley-Idealismus auf postdemokratischen Zynismus trifft, hat sich ein Denker etabliert, der wie kaum ein anderer den Zeitgeist der rechten Intelligenzija prägt – Curtis Yarvin, dessen Karriere unter dem Pseudonym Mencius Moldbug begann.
Yarvin ist kein Faschist, kein Populist, kein einfacher Ideologe – er ist ein Systemingenieur des Autoritären. Sein Vorschlag: Die liberale Demokratie sei ein irreparabler Codefehler – langsam, korrupt, uneffektiv. Was es brauche, sei ein „CEO-Monarch“, der ein Land wie ein Start-up regiert.
Der Bürger? Kein Mitbestimmer mehr, sondern Kunde mit Kündigungsrecht. Wählen könne man zwar noch, indem man umzieht in einen anderen souveränen Kleinststaat. Die Zeit der großen Nationen ist für Yarvin nämlich vorbei.
Was wie Science-Fiction klingt, ist längst politischer Wirkstoff: Seine Ideen durchdringen Netzwerke um Peter Thiel, J. D. Vance, Marc Andreessen – Männer mit Macht, Geld und einem Hunger nach Ordnung.
Ava Kofman ist staff writer bei The New Yorker. Zuvor arbeitete sie als investigative Reporterin beim Investigativrecherche-Medium ProPublica. Ihre Texte erschienen darüber hinaus in namhaften Publikationen wie The New York Times Magazine, Harper’s Magazine, The New York Review of Books und n+1. Zu ihren Auszeichnungen zählen unter anderem der Hillman Prize for Magazine Journalism (2023) oder im selben Jahr der Bartlett & Steele Award for Outstanding Young Journalist. Der hier vorliegende Text ist eine gekürzte Fassung ihres Essays „Curtis Yarvin’s Plot Against America“, erschienen im Juni 2025 im New Yorker.
© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 19.7.2026
