Radio macht sein Personal unsichtbar. Wer Freude an paradoxen Formulierungen hat, könnte sagen: Das Radio versammelt lauter Abwesende in einem…
Von Liv Apollonia Scharbatke (DLF). Je dicker die Luft, desto mehr filtern wir. Doch je mehr wir filtern, desto dünnhäutiger werden wir. Sind die Filter der Neuzeit die Lösung unserer Probleme? Oder verlieren wir durch ein möglichst störungsfreies Dasein die Fähigkeit zum Überleben?
Wir leben in einer Zeit, die geprägt ist von Reinheitsgeboten und Filterpraktiken, mit dem wachsenden Bedürfnis, die Umwelt, den Körper und die Wahrnehmung zu kontrollieren.
Zigarettenrauch, Feinstaub und Schadstoffe werden zum Anlass, um über Filter als technische, kulturelle und politische Ordnungsinstrumente nachzudenken. Dienten sie einst dem Überleben, sind sie heute Teil moderner Hygiene-, Sicherheits- und Optimierungslogiken.
Je feiner die Filter werden, desto geringer scheint die Fähigkeit, Ambivalenz, Störung und Widerspruch auszuhalten. Muss denn das Leben wirklich so rein sein?
Liv Apollonia Scharbatke ist Autorin, Kommunikationswissenschaftlerin und Schreibtherapeutin. Ihre Arbeit ist geprägt von der Frage, wie Menschen ihr Leben durch Geschichten verstehen und gestalten. Während ihres Studiums an der Filmakademie Baden-Württemberg realisierte sie mehrfach prämierte Kurzfilme. Heute schreibt sie für das Fernsehen und arbeitet an ihrem Debütroman. Auf ihrem Blog „Happy Writing“ veröffentlicht sie regelmäßig Beiträge zu kreativem Schreiben und zur Schreibtherapie.
© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 23.8.2026



