Zum 50.Geburtstag von Vijay Iyer: Henning Sieverts präsentiert den indo-amerikanischen Pianisten und Komponisten in ganz unterschiedlichen Formaten, vom Trio über…
Die Radiotipps in der Übersicht für alle Kultursender des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks, ByteFM sowie des Ö1.
00:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Neue Musik
„Kunst bedeutet, den Menschen das Leben beizubringen“
Der tschechische Musiker und Multimediakünstler Milan Knížák (1940 – 2026). Von Thomas Groetz
Milan Knížák war eine Schlüsselfigur der osteuropäischen Gegenkultur und bekleidete später hohe Ämter im Prager Kulturbetrieb.
In den 1960er-Jahren trat Milan Knížák mit Kunstaktionen hervor, die von der Staatsmacht nicht gern gesehen waren; zeitgleich ernannte man ihn zum „Direktor von Fluxus-Ost“. Knížák malte, fertigte Assemblagen und schrieb, entwarf Mode, Möbel, Architektur und machte zeitlebens auch Musik. Er spielte in einer Rockband und wurde durch seinen Umgang mit Schallplatten, die er verbrannte, zerschnitt und neu zusammengeklebt hören ließ, bekannt. Montage-Prinzipien spielen auch bei Knížáks Stücken für Klavier oder Streichquartett eine Rolle, die auf zusammengesetzten Partitur-Fragmenten basieren.
16:05 Uhr Ö1 Tonspuren
In Memoriam: Joachim Lottmann
Der selbsternannte „Erfinder der Popliteratur“ Joachim Lottman ist tot. Er starb nach schwerer Krankheit am Sonntag im Alter von 70 Jahren in einem Wiener Hospiz.
„Von der Wiege bis zur Bahre Stress und Alkohol“
Der Schriftsteller und „Borderline-Journalist“ Joachim Lottmann
Feature von Claudia Gschweitl
ORF 2013
Joachim Lottmanns anfangs verrissener Debütroman aus 1987 „Mai, Juni, Juli“ wurde 16 Jahre nach Erscheinen von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu einem der wichtigsten deutschen Bücher der letzten 20 Jahre gekürt: Dieser Roman sei „der Anfang von vielem, großem, schönem, lebensgenauem, was in den neunziger Jahren zu erleben und zu lesen war“. Mehr als ein Dutzend Bücher hat Lottmann geschrieben, teils gnadenlose, teils diffamierende Abrechnungen mit der Gesellschaft und dem Kulturbetrieb. Er scheute sich nicht, Namen zu nennen. Manch Freundschaft ging dabei zu Bruch. Der Autor mit Hang zur Selbstinszenierung nahm es dabei mit der Wahrheit nicht immer ganz genau. „Alles neu erfinden, alles umlügen, dass sich die Balken biegen, aber so verblüffend intim, dass es jeder glaubt“, schrieb er.
Seit Anfang 2026 dokumentierte Lottmann unter dem Titel „Langweiliges Tagebuch“ seine Krebserkrankung im Internet, sein Hoffen und Bangen. „Sterben ist langweilig“, schrieb er darin. „Man fährt mich zum Röntgen. Das Wasser ist noch immer in der Lunge. Ich kann nicht mehr atmen, nicht mehr denken. Nur noch schreiben.“
18:00 Uhr ByteFM Forward The Bass mit Gardy Stein
Labelspecial: VP Records, Teil 1
Es ist mal wieder Zeit für ein Labelspecial, und frei nach dem Motto „Klotzen statt Kleckern“ wenden wir uns in den nächsten 4 Ausgaben meiner Sendung dem weltweit wohl größten und bedeutendsten Label in Sachen Reggae & Dancehall zu: VP Records! Im heutigen Teil 1 entdecken wir die Anfänge dieser Erfolgsstory, die mit Vincent „Randy“ Chin und seiner Frau Patricia mit ihrem „Randy’s Record Shop“ in der 17th Nord Parade in Kingston beginnt. Dort entstand im Jahr 1962 die erste Aufnahme, Lord Creators „Independent Jamaica“, und auch das Duett Roy & Paulette haben im Studio über dem Plattenladen ihre ersten Hits eingesungen. Dann folgten viele Künstler, darunter der großartige Dennis Brown, bis das Ehepaar Chin nach New York auswanderte und dort 1979 das Label VP Records gründete. In den 80ern etablierte sich von dort aus eine rege Aufnahme- und Veröffentlichungstätigkeit, die großen Namen wie Michigan & Smiley, Yellowman, Wailing Souls, Barrington Levy, Freddie McGregor und Frankie Paul weltweite Bekanntheit ermöglichte. Deejays und MCs wie Tony Tuff, Eccleton Jarrett, Chaka Demus und Shabba läuteten den Siegeszug des Dancehall ein, und von all diesen Künstlern hören wir je ein Beispiel ihrer Kunst. Den damals eher spärlich am Mic vertretenen Frauen wird mit Foxy Brown und Krystal Gehör geschenkt – eine Zeitreise in die goldene Ära der jamaikanischen Musik!
19:00 Uhr HR 2 Hörbar
Mexikanische Gitarrenklänge & mehr Musik grenzenlos
Von Mexiko-Stadt nach Tokio ist es – na ja, kein Katzensprung, aber ein Hüpfer über den Pazifik. Und: man reist in die Zukunft, über die Datumsgrenze, kommt morgen sozusagen schon heute an. Genau das haben Rodrigo y Gabriela gemacht.
19:00 Uhr ByteFM Trail Of Songs mit Arne Schumacher
A Helluva Trip
Ende des Jahres wird Muireann Bradley 20. Derweil ist das zweite Album der irischen Akustikgitarristin und Sängerin erschienen. Auf dem huldigt sie unter anderem den Veteranen aus Countryblues und Ragtime. Ganz bei sich selbst ist The Tallest Man On Earth alias Kristian Matsson auf seinem neuen Song-Werk, genau wie sein schwedischer Landsmann Lars Bygden. Ein sehnsüchtiger Country-Twäng begleitet Jess Williamson durch die Stücke ihrer jüngsten Tagebuch-Kapitel. Eels-Mann Mark Oliver Everett singt zur Abwechslung mal nur zu Klavierbegleitung. Solches funktioniert sogar mit einem Songklassiker von Chris Isaak, wie Mirna Bogdanović aus Berlin zeigt. Auf gewitzte, stilistisch vielseitige Songs versteht sich Cellist und Sänger Ruper Gillett, Engländer aus Köln. „Be easy“ gibt Jeffrey Silverstein aus Portland, Oregon als Motto aus – und unterstreicht das mit tiefenentspannten Tracks.
19:15 Uhr Deutschlandfunk Feature
„Polarisiert“ Wie die Weltpolitik Spitzbergen verändert
Von Viktar Vasileusk und Laura Höring
Regie: die Autoren Deutschlandfunk 2026
Seit 2022 herrscht auf Spitzbergen in der Arktis ein neuer Kalter Krieg. Die Ukrainerin Valeriya floh, weil Nachbarn sie für eine Spionin hielten. Wolfgang, ein Deutscher, fand auf der russischen Seite der Insel seine neue politische Heimat.
Spitzbergen – eine Insel auf 78 Grad Nord. Mehr Eisbären als Einwohner. Vier Monate Polartag, vier Monate bleibt es dunkel. Auch politisch ist die Insel lange besonders: Norweger und Russen leben in Harmonie, unbehelligt von den geopolitischen Zerwürfnissen auf dem Festland. Doch auf den Ukraine-Krieg folgen Sanktionen, Boykott und Misstrauen.
Die Ukrainerin Valeriya und Wolfgang, ein Deutscher, entscheiden sich jeweils, die Seite zu wechseln, ihrer alten Heimat den Rücken zu kehren. Zwei gegensätzliche Biografien – sinnbildlich für die Polarisierung Spitzbergens. Und über all dem schwebt die Angst vor dem NATO-Bündnisfall.
20:00 Uhr Deutschlandfunk Kultur Konzert
„Rheingau Musikfestival“ Kurhaus Wiesbaden
Malcolm Arnold: Vier Schottische Tänze
Felix Mendelssohn Bartholdy: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 g-Moll op. 25
Peter Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 36
Jan Lisiecki, Klavier; Royal Scottish National Orchestra
Leitung: Thomas Søndergård
Aufzeichnung vom 20.08.2026
20:05 Uhr Deutschlandfunk Hörspiel
„Human in the Loop“ Von Lars Werner
Nach einer Recherche von Andrea Remsmeier
Regie: Lars Werner
Komposition: Richard Fickt und Hanni Kruscha
Ton und Technik: Andreas Stoffels, Julian Kretschel und Gunda Herke
Regieassistenz: Jürg Andreas Meister & Swantje Reuter
Dramaturgie: Sebastian Klauke Deutschlandfunk 2026
Seit einem missglückten Einsatz hat Personenschützerin Jenna kaum noch Aufträge. Als ein KI-Ingenieur aus dem Silicon Valley sie um Hilfe bittet – ohne Beweise, ohne Verdächtigen – , nimmt sie trotzdem an. Ein Fehler? Oder ihre letzte Chance?
21:00 Uhr SWR Kultur / HR 2 JetztMusik
Donaueschinger Musiktage 2026 – Museum Factory
Jebah Baum (Skulpturen); Seán Ó Dálaigh (Video)
SWR Experimentalstudio; Speak Percussion
Steven Kazuo Takasugi: Museum Factory für Perkussionstrio, Skulpturinstrumente, Video und Elektronik
(Konzert vom 17. Oktober 2026 im Strawinsky-Saal der Donauhallen)
21:00 Uhr radio 3 Neue Musik
Neue Musik aktuell. Mit Andreas Göbel
21:05 Uhr Deutschlandfunk Jazz Live
„Innige Duo-Improvisationen“ Wadada Leo Smith & Vijay Iyer beim Jazzfest Berlin 2025
Wadada Leo Smith, Trompete
Vijay Iyer, Klavier, E-Piano, Electronics
Aufnahme vom 30.10.2025 aus dem Haus der Berliner Festspiele
Am Mikrofon: Odilo Clausnitzer
Ein illustres Duo mit stimmungsvoller freier Musik in langen Bögen und weiten Flächen.
Der legendäre Trompeter Wadada Leo Smith hat auch mit 84 Jahren noch einen leuchtenden Ton, dazu die Ausstrahlung eines freundlichen Weisen. Im Duokonzert mit Pianist Vijay Iyer hat er auf freiem Feld den Weg gewiesen. Bekannt geworden ist Smith im Umfeld der berühmten Chicagoer Musikerinitiative AACM. Seit über 20 Jahren sind der Pianist Vijay Iyer und er musikalische Partner, anfänglich in Smiths Quartett, später im Duo. Der Auftritt in Berlin fand im Rahmen von Smiths angekündigt letzter Europatournee statt. In den Improvisationen der beiden Musiker sorgte Smith mit melodischen Akzenten für die emotionalen Konturen und Richtungswechsel. Vijay Iyer hat in der Begleitung neben dem Flügel auch E-Piano gespielt und mit elektronischen Sounds atmosphärische Texturen beigesteuert. Ein Konzert-Highlight des Jazz Fest Berlin 2025.
22:00 Uhr radio3 Jazz
JazzBaltica 26: Arcanum. Mit Thomas Haak
Das Quartett Arcanum ist wirklich eine Supergruppe. Denn Arve Henriksen, Trygve Seim, Anders Jormin und Markku Ounaskari gehören nicht nur zu den originellsten, sondern auch zu den gefragtesten Jazzmusikern des hohen Nordens. Basis sind eigene Stücke, Komponisten wie Federico Mompou oder Ornette Coleman sowie nicht zuletzt Folk-Songs unterschiedlichster Kulturkreise.
22:03 Uhr SWR Kultur / HR 2 Open World
Made in Senegal: Orchestra Baobab
mit Noelle O’Brien-Coker
22:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Feature
„Atelier mit Aussicht“ Ein neuer Raum für neue Bilder
Von Boussa Thiam und Thorsten Jantschek
Regie: Thorsten Jantschek Deutschlandfunk 2026
Seit 2019 begleiten wir den Maler Felix Becker: von seiner Zeit an der Berliner Universität der Künste über die Coronajahre bis in die Gegenwart als freier Künstler. In diesem Jahr verändern sich die Bedingungen seiner Arbeit.
22:05 Uhr Deutschlandfunk Musikszene
„Skandinaviens unbekannte Orgelmusik“ Der Organist James D. Hicks und sein Projekt „Nordic Journey“
Von Klaus Gehrke
Skandinavien ist für viele ein weißer Fleck auf der Orgellandkarte. Das soll sich nun ändern!
Natürlich spielt James D. Hicks auch Werke von Bach, Franck oder Reger; doch irgendwann hatte der US-amerikanische Organist Lust auf eine Reise ins Unbekannte. Orgelkomponisten aus Skandinavien waren ihm kaum bekannt, also nahm Hicks sich die Musik Nordeuropas für sein Instrument vor – ohne recht zu ahnen, worauf er sich da eingelassen hatte! 2010 startete er das CD-Projekt „Nordic Journey“ mit einer Aufnahme an der Domorgel im schwedischen Linköping. Im vergangenen Jahr kam nun seine 18. CD auf den Markt, die das Magazin „Fono Forum“ auf seine Liste der fünf besten Aufnahmen von 2025 gesetzt hat. Was fasziniert die Jury an dem hierzulande kaum bekannten Organisten und seinem ungewöhnlichen Projekt? Welche Schwerpunkte setzt Hicks bei der Auswahl der Musikschaffenden und der Kompositionen – und nach welchen Kriterien wählt er die Instrumente für seine „Nordic Journey“ aus?
23:00 Uhr ByteFM 80Prozent mit Timo Drechsler & Torsten Fiebig
Etliche Arten Der Punk-Musik
80Prozent ist die Sendung für Freund*innen der Punk-Musik – aber wir haben nicht nur real-simpel (Heather The Jerk, Retail Simps) im Angebot, sondern auch hart und trostlos (Kohti Tohua, Traumatizer), powerpoppig (The Nerves, The Taps) und betörend-verstörend (Piss) – kurz: etliche Arten der Punk-Musik!
23:03 Uhr Bayern 2, Bremen Zwei und MDR Kultur Nachtmix
„Breaks, Beats und Bässe“. Mit Noe Noack
Um die Rappelbeats, den derzeitigen „Jungle“- und „Drum and Bass“- Boom geht es in diesem „Nachtmix“ in den „ARD Late Nite Sounds“. Und um „UK Garage“ und „Bass Hybride“. Zwei Genres, die in den frühen und späten 1990er Jahren entstanden sind und kurzzeitig Pop-Phänomene wurden. Einzelne Tracks und Singles landeten sogar in den Charts. Danach ging es zurück in den Underground, aber verschwunden sind „Jungle“ und „Drum and Bass“ nie‚ ebenso wenig wie „UK Garage“. Seit Jahren steigen die Verkaufszahlen wieder, was auch an neuen, aufregenden Produzenten, DJs und Künstlerinnen liegt. Nach „Tech House“ sind „Jungle“- und „Drum and Bass“ die global erfolgreichsten Genres in der elektronischen Musik. Neue Rave- und Partyreihen auch in Deutschland tragen dazu bei. „Back To The Roots“ heißt die Erfolgsformel. Wie in den 90er und Nullerjahren wird oft in Warehouses gefeiert und die MCs und DJs feuern die Tanzwütigen massiv an.


