9/11 in der Popmusik: Unfassbares und Unsägliches
Die Anschläge auf das World Trade Center schlugen sich in der Popmusik nieder – als Racheschwüre, als Opfer- und Heldenpathos und in patriotischen Parolen. Von Karl Fluch.
Mit bebender Stimme richtete John Cale aus: „New Yorkers, you are the very best!“ Es war nicht der überzeugendste Moment des mit der (New Yorker) Band The Velvet Underground berühmt gewordenen Walisers. Doch er zeigte, welche Ohnmacht die Popmusik nach 9/11 empfand.
9/11 ist als Chiffre für einen islamistischen Terroranschlag in die Geschichte eingegangen: Am 11. September 2001 sind zwei von Terroristen entführte Passagierflugzeuge mutwillig in die beiden Türme des New Yorker World Trade Centers gekracht und haben diese zum Einsturz gebracht. Das war nicht nur ein symbolisch obszöner Gewaltakt, knapp 3000 Menschen verloren an diesem Dienstagmorgen vor 20 Jahren ihr Leben.
Durchhalteparolen
Nun tut sich Popmusik mit Politik meist schwer. In ein paar Minuten und mit wenigen Akkorden Weltpolitik oder von ihr ausgelöste Gefühle auf den Punkt zu bringen überfordert, weshalb die meisten der durch 9/11 hervorgerufenen musikalischen Reaktionen von bescheidener Qualität waren.
Menschlich nachvollziehbar beschränkten sich viele darauf, Durchhalteparolen zu skandieren, patriotische Drohungen zu bellen, oder ergingen sich in Hommagen an die Rettungskräfte. Das Wort „Hero“ – Held – wurde dermaßen strapaziert, dass jeder, der ein Feuerzeug ausmachte, schon als solcher galt. Fast.
© Der Standard, Kultur, 7.9.2021