Buchtipp: Peter Brummund „The Voice – Chris Farlowe“
Er hat sie alle erlebt, die legendären Stars des britischen Musikgeschäfts ab Anfang der 1960er Jahre. Er hat sie alle erlebt, und er hat viele überlebt, hat seine einzigartige Stimme trotz nicht immer gesunden Lebenswandels gepflegt, und einen einzigen „Smash Hit“ hatte er auch. Doch ein Verkaufsschlager allein reicht meist nicht, um auf die Rückkehr in die Fabrik oder das Büro verzichten zu können.

Eine der seltenen Ausnahmen singt immer noch, und er hat Spaß daran: Chris Farlowe. Der Mann aus London hatte 1966 mit „Out of time“ diesen besagten riesigen Hit, der wochenlang Rang eins der internationalen Charts belegte, was Farlowe flugs eine blendende Prognose für seine Zukunft einbrachte.
Die Prognose stimmte nicht ganz, Farlowes Bankkonto trat kaum in Superstar-Sphären hinauf. Was den Künstler Chris Farlowe indes nie entmutigte – der vielseitige Blues-,Rock-, Jazz- und Soulsänger blieb stets aktiv und wurde damit ein ganz großer seines Fachs.
Warum das so ist, warum Farlowe trotz finanzieller (höchstens) Mittellage selten an Popularität in Fach-und Fankreisen verlor, davon erzählt die Biografie „The Voice. Chris Farlowe“, die der Oldenburger Peter Brummund jetzt im Oldenburger Isensee-Verlag veröffentlicht hat.
Der Grund der Veröffentlichung des faktenlastigen Buches ist offensichtlich: Farlowe wurde Mitte Oktober 85 Jahre alt. Der Autor und der Sänger, die seit vielen Jahren ein freundschaftliches Verhältnis pflegen, haben dieses Datum zum Anlass genommen, die Karriere des nimmermüden Künstlers und nebenberuflichen Militaria-Händlers seit dessen Anfängen 1961 Revue passieren zulassen.
Denn egal ob mit Hit oder ohne – Farlowe stand, gesegnet mit einer fünf Oktaven erreichenden Stimme, eigentlich und bis heute immer auf der Bühne oder im Aufnahmestudio. Seine festen Jobs und Kurzzeit-Engagements sind unzählbar (Brummund hat’s aber geschafft), die bekanntesten Stationen des Sängers in einer Band waren zunächst Thunderbirds, später dann Atomic Rooster, Hamburg Blues Band, Norman Beaker Band und immer wieder, bis heute, die Jazz-Rock-Legende Colosseum.
Daneben und dazwischen hatte Farlowe immer Zeit, als Solist zu glänzen. Folge: 21 Alben unterschiedlichster Stilart stehen in seiner musikalischen Vita, dazu tausende von Konzerten in aller Welt. Die jeweiligen Auftrittsorte durften sich geadelt fühlen: Chris Farlowe, dieser ruhelose Geist am Mikrophon weiß, wo Kultur gern genossen wird.

Brummund hat sich in der Biografie seines Freundes der titanengleichen Aufgabe gestellt, ein übervolles künstlerisches Leben auf vergleichsweise wenigen, nämlich 356 Seiten zusammenzufassen. Eine Aufgabe in Worten und Fotos, die der promovierte Diplom-Betriebswirt und Diplom-Ökonom dank eines wissenschaftlich geprägten, zum Teil akademischen Schreibstils unterhaltsam gemeistert hat. Dabei ist Brummund bei seinen Recherchen auch auf Ereignisse gestoßen, die selbst eingefleischten Farlowe-Anhängern bisher unbekannt waren. Aus einer Fülle von internationalen Quellen und ergänzt durch viele eigene Eindrücke hat er eine Art literarisches Denkmal für Chris Farlowe erstellt. Und anders, als man bei einem Freund vermuten könnte, breitet er nicht nur das Schöne einer Karriere aus, sondern befasst sich auch mit den Fehlentscheidungen und Missgeschicken, die Farlowe auf dem Weg zum dauerhaft großen Ruhm immer wieder falsch abbiegen ließen. Doch gerade diese Ehrlichkeit zeichnet eine gute Biografie aus, macht sie lesenswert. Chris Farlowes 85.Geburtstag wird von einem besonderen Geschenk veredelt. © Alle Texte: Peter Brummund.
Peter Brummund musste viele Exemplare seines Buches kaufen um es veröffentlichen zu können. Also B I T T E direkt bei ihm (peter.brummund@t-online.de) oder über das Bestellformular bestellen. Danke.
