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Jubiläum – 40 Jahre Die Toten Hosen: „Mach’s doch selbst!“ + 1LIVE Ikonen – Die Toten Hosen

Karl Fluch interviewt Campino. Mit knapp 60 wundert sich Hosen-Sänger Campino über Rassismusvorwürfe, deutet Arschwackelei und nennt den wahren König des Punk.

Am Freitag erscheint die Werkschau Alles aus Liebe: 40 Jahre Die Toten Hosen. Die Hosen sind mit Die Ärzte die erfolgreichste deutsche Punk-Band; am 2. Juli gastieren sie in der Wiener Krieau. Sänger Campino war vorab in der Stadt, mal schauen, was ist.

Standard: Sie werden im Juni 60, kommen langsam ins My-Way-Alter: Regrets, I’ve had a few …“ – welche gibt es da bei Ihnen?

Campino: Die Sache mit der 60 hat sich ja schon länger angekündigt und ich freu mich, dass ich das geschafft habe und immer noch da bin. Das hätte ich mir mit 20 nicht vorstellen können. Allen, die diese Altersschwelle noch nicht erreicht haben, kann ich zurufen: Ich hab mich zwar von vielen Dingen verabschieden müssen, aber mein Leben ist nicht langweiliger geworden!

Standard: Wovon zum Beispiel?

Campino: Ich kann es mittlerweile vergessen, dass ich jemandem, der 30 ist, auf dem Fußballplatz Paroli bieten kann.

Standard: Und was wären die Regrets, was bedauern Sie?

Campino: Da gibt es vieles. Der Mensch neigt zu einem „Weiter so“, wenn etwas gut ausgegangen ist. Das birgt immer auch die Gefahr, in die Wiederholungsschleife zu kommen. Aber wir lernen aus Niederlagen mehr als von Triumphen. Es gibt sicher eine lange Liste an Leuten, bei denen ich mich entschuldigen müsste bzw. es zum Teil schon getan habe, aber manchmal sind Dinge geschehen, die ich nicht mehr ändern kann. Ich werde aber versuchen, es beim nächsten Mal anders zu machen.

Standard: Gab es früher eine größere Toleranz gegenüber Fehlern? Heute reicht ein falsches Wort, schon gibt’s Shitstorm.

Campino: Ich denke, dass wir alle noch immer lernen müssen, mit der Wirkung des Internets umzugehen. Und der Einfluss des Digitalen wird immer noch stärker. Den gedachten Shitstorm hat es schon immer gegeben: Wenn man ein unangenehmes Statement raushaute, haben das damals schon Leute unmöglich gefunden. Man hat sie allerdings nicht gesehen oder gehört, das fand häufiger im Privaten, unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Durch die Meinungsforen und die Anonymität im Netz fühlt sich jeder aufgefordert, ungefiltert seine Gedanken zu äußern, egal wie krude sie sind. Denn es gibt ja vermeintlich keine Konsequenzen. Das bringt eine hässliche Seite der Seele zum Vorschein, der wir uns vorher nicht so bewusst waren. Aber ich stelle mal die Behauptung auf, der Mensch ist nicht schlechter geworden, man erkennt ihn nur besser.



© Der Standard, Kultur, 26. Mai 2022


1LIVE Ikonen – Die Toten Hosen

40 Jahre Die Toten Hosen: Die Geschichte der Band erzählt VON der Band, Wegbegleiter:innen und Fans. Entstanden ist ein außergewöhnlicher Podcast über eine einzigartige Band. Er gibt Einblicke in Triumphe und Abstürze und wie die Band die deutsche Musiklandschaft geprägt hat.



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