Prestomusic – Jazz Klassiker: Thelonious Monk – Misterioso / Riverside
Von Dan Spirrett. Tief im Herzen von New Yorks Greenwich Village nahm das Thelonious Monk Quartett 1958 im Five Spot Café das Album „Misterioso“ auf. Vor dem Hintergrund klirrender Gläser, lebhafter Gespräche und einer spürbaren Energie im Raum festigten Monk und seine Band ihren Ruf als Musiker, die Grenzen überschritten.
Im Sommer 1958 hatte Thelonious Monk endlich eine Dekade tiefer beruflicher Frustration und rechtlicher Rückschläge hinter sich gelassen, darunter den ungerechten Verlust seiner „Cabaret Card“, die ihm jahrelang faktisch Auftritte in New Yorker Clubs verwehrt hatte. Sein Meisterwerk „Brilliant Corners“ aus dem Jahr 1957 und eine triumphale, karriereprägende Serie von Auftritten im Five Spot mit John Coltrane hatten ihn schließlich vom exzentrischen Lieblingsmusiker zum gefeierten Star erhoben.
Zum Zeitpunkt dieser Live-Aufnahme war Coltrane bereits weitergezogen und wurde durch den ebenso fingerflinken Saxophonisten Johnny Griffin ersetzt. Unterstützt von der flexiblen Rhythmusgruppe mit Ahmed Abdul-Malik am Bass und dem legendären Roy Haynes am Schlagzeug, buchte das Quartett eine Reihe von Auftritten im „Five Spot“. Das Album zeichnet sich kompositorisch dadurch aus, wie die Musiker auf die Begeisterung des Publikums reagieren und das Quartett dadurch effektiv auf die nächste Ebene heben.
„Misterioso“ ist ein rohes und ungefiltertes Live-Denkmal für das Genie von Thelonious Monk, das seine Musik genau so einfängt, wie sie erlebt werden sollte. Monk verwandelt komplexe harmonische Rätsel und zerklüftete Blues-Linien in reinen, schwungvollen Schwung. (Monk verwandelt komplexe harmonische Rätsel und kantige Blues-Melodien in reine, schwungvolle Dynamik.) Nach den „Misterioso“-Sessions stieg Monk von einer Underground-Legende zu einer internationalen Ikone auf. Er unterschrieb einen Vertrag bei dem Major-Label Columbia Records, gründete sein beständigstes Quartett mit dem Saxophonisten Charlie Rouse und wurde 1964 als einer der wenigen Jazzmusiker überhaupt auf dem Cover des Time-Magazins abgebildet.
© Prestomusic, Classic Recordings, Alle Texte: Dan Spirrett, 4.7.2026
„Schwungvoller Schwung“ – besser kann man es nicht beschreiben! 🙂
Das Cover stammt übrigens von Giorgio de Chirico und ist von 1914/15:
https://www.moma.org/collection/works/80589
Danke Lucky. Gut zu wissen. Ich fand die Formulierung von Dan Spirrett auch etwas gewagt, aber letztlich passt sie. Wo wir wieder bei dem Thema wären: Über Musik schreiben.
Es ist die deutsche Übersetzung die da hakt. Spirrett schreibt „Monk transforms complex harmonic riddles and jagged blues lines into pure, swinging momentum“, ’schwungvoller Schwung‘ ist einfach nur witzig. Der Google-translator macht daraus „swingender Schwung“, auch nicht viel besser.
L:)
Sicher, ist auch nicht besser. Mein Tool meint dazu: Monk verwandelt komplexe harmonische Rätsel und kantige Blues-Melodien in reine, schwungvolle Dynamik. Vielleicht sollte ich es in Klammern dahinter setzen.
Für Interessierte: es gibt noch ein anderes Album, das mit demselben Quartett im Five Spot 1958 aufgenommen wurde, „Thelonious in Action“:
https://de.wikipedia.org/wiki/Thelonious_in_Action