Mit Jan Paersch (DLF).Die Kölner Singer/Songwriterin Annie Bloch bringt in ihrer zehnköpfigen Band Klassik, Folk und Jazz zusammen. Für ihr…
Die Orgel, auch „Königin der Instrumente” genannt, erfährt in den letzten Jahren ein neues Denken. Viele junge Musiker:innen betrachten dieses altehrwürdige Instrument mit neuen Augen und Ohren. Für mich begann diese Entwicklung mit dem Projekt Spire, einem Ableger des bekannten Touch-Labels, das in den 2000er Jahren entstand.
Es ist ein Musikerkollektiv um u. a. Charles Matthews & Xavier Deprez, Fennesz und Philip Jeck. Dazu zählt auch das internationale New Organ Movement zu dem das Festival AGGREGATE gehört. Allen, die jetzt neugierig geworden sind, kann ich diese Projekte nur empfehlen. Andere Komponist:innen, die mit der Orgel arbeiten, wären u. a. Kali Malone oder Claire M Singer.
Annie Bloch möchte mit ihrer Musik von der Historie der Orgel und ihren sakralen Orten weg. Bei LUVT beschränkt sie sich auf eine Kasten- oder Truhenorgel mit drei Holzpfeifenregistern, deren Klänge sie mittels Live-Looping und elektronischer Effekte bearbeitet. Die dabei entstehende Musik ist filigraner und subtiler als die einer riesigen Orgel. Hier kommt es mehr auf die Feinheiten an. Manchmal klingt sie fast zerbrechlich. Für mich hat das nichts mit Ambient-Musik zu tun. Sie liegt näher an Neuer Musik. Aber das wird jeder anders hören. Beeindruckend sind auf jeden Fall der Klangreichtum dieser „kleinen” Orgel und der neue Ansatz von Annie Bloch.
GAMUT INC., das sind Marion Wörle und Maciej Śledziecki, die in Berlin leben. Ihre Arbeit konzentriert sich auf zeitgenössische Orgelmusik und die Entwicklung selbst entworfener Pfeifenorgelinstrumente. Seit 2013 verfolgen die Künstler einen eigenen Ansatz im Umgang mit computergesteuerten Orgeln. Seit 2021 kuratieren sie AGGREGATE, ein in Berlin ansässiges Festival, das sich dem internationalen New Organ Movement widmet. Dabei entwickeln sie weiterhin eigene Instrumente und erforschen die Beziehungen zwischen Interpret, Maschine und akustischem Raum. Mit der computergesteuerten Pfeifenorgel schlagen sie eine Brücke zwischen der traditionellen Orgel und neuen Technologien. Damit sind unter anderem schnellere und komplexere Spieltechniken möglich. Beim Hören war ich schon verblüfft, was alles technisch möglich ist. Die während eines zweiwöchigen Aufenthalts in Toulouse entstandenen Stücke sind weitere Varianten und Erkundungen der Möglichkeiten einer Computersteuerung. Ich bin gespannt, wohin die Reise geht.



