Release Tipps

Release Tipp: Erik Griswold – Next Level Avoidance / Room40

Das Letzte, das ich von Erik Griswold gehört habe, war sein „Pianomill“-Projekt. Dabei wurden alle gefundenen und spielbaren Klaviere aus dem Outback Australiens in einem Turm zusammengebracht, um dann darauf zu spielen. Ungestimmt bzw. so wie man sie vorgefunden hat. Eine verrückte Geschichte.

Nun, Jahre später, sitzt er unter seinem Haus mit seinem Klavier und … Ich bin etwas überrascht. Synthieklänge, die wie aus den 80ern anmuten („Colours of Summer”), hätte ich nicht erwartet. Dann wieder Stücke mit seinem präparierten Klavier. Jedes Stück ist anders, es ist viel Melodisches dabei und darin liegt auch einer der Reize seiner Musik. Erik Griswold erkundet seine Ideen mit seinem Klavier und den elektronischen Erweiterungen. Das erweitert die klanglichen Möglichkeiten enorm. Das Ergebnis spricht für sich.

Von Erik Griswold:

Wieder unter dem Haus, nur ich und mein sehr altes Klavier. Haben wir uns noch etwas zu sagen? Werden neue Spielzeuge etwas Abwechslung bringen? Der kreative Prozess scheint wie ein (Foucaultsches?) Pendel zu schwingen, das immer wieder an denselben Punkt zurückkehrt. Als ich 2015 zuletzt kurze Stücke für präpariertes Klavier komponierte (Pain Avoidance Machine), fühlte ich mich „erstickt von der Negativität des politischen Diskurses in Australien, dem narzisstischen Exzess der sozialen Medien und der Aussicht auf einen langen Sommer mit migräneauslösender Hitze“. Hätte ich nur gewusst, wie weit wir noch gehen mussten.

Zu den Klängen meines 1885er Lipp & Sohn, präpariert mit Messingbolzen, Papierstreifen und Gummi, habe ich einen analogen Synthesizer hinzugefügt und damit die Erkundung in den elektronischen Bereich erweitert. Die taktile Qualität beider Instrumente steht im Mittelpunkt meines Ansatzes, wobei kleine Unregelmäßigkeiten in Klang, Anschlag, Ausklang und Filterung im Vordergrund stehen. Es ist eine sehr intime Umgebung, mit nur zwei C414-Mikrofonen in unmittelbarer Nähe, um die granularen Details der Klangmaterialien einzufangen. Die Hinzufügung von „Rahmen“, „Fenstern“ und „Klangspiegeln“ erzeugt eine rituelle Aura, die über und um die Musik schwebt.

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