Release Tipp: Jana Irmert – Messengers (Soundtrack) / Superpang … Aktualisiert
Der unverkennbare Klang der Yamaha-Electone-Orgel macht die Faszination dieses Soundtracks von Jana Irmert aus. Anhand des Trailers zum Film von Jeffrey Zablotny – Messengers, ahnen wir, was uns erwartet und den Film ( Siehe Arte Link) sollte man sich unbedingt anschauen.
Natürlich stellt sich die Frage, warum ich überhaupt einen Soundtrack vorstelle. Kann dieser Soundtrack auch ohne den Film funktionieren? Im Falle von Jana Irmert kann ich diese Frage mit einem klaren Ja beantworten.
Jana Irmerts Werk zeichnet sich durch einen sich ständig wandelnden Schwerpunkt aus, und gerade diese Fähigkeit könnte sie zur idealen Wahl für die Arbeit an Soundtracks machen. In ihrer Biografie heißt es, dass sie 2019 den Deutschen Dokumentarfilmmusikpreis erhielt, und 2021 wurde sie für ihr Sounddesign zu Jóhann Jóhannssons Film „Last and First Men“ für einen Edda-Preis nominiert. Außerdem schuf sie den Soundtrack zu Henrike Meyers autofiktionalem Hybrid-Dokumentarfilm „To Be an Extra“, und diese Arbeit wurde wiederum neu bearbeitet, um „When I Dissolve“ zu schaffen.
„Messengers“ könnte als eine Meditation über die Beziehung zwischen Wissenschaft und Vorstellungskraft interpretiert werden. Darüber hinaus könnte man darin auch das beständige Verlangen der Menschheit sehen, das Flüstern zu hören, das knapp jenseits der Grenzen der Wahrnehmung liegt.

Das Verständnis des Universums beginnt eher mit dem Zuhören als mit dem Sehen. Wir müssen den Sternen ebenso zuhören wie unserem Unterbewusstsein. Um diese Idee drehen sich sowohl Jeffrey Zablotnys Film als auch Jana Irmerts Soundtrack.
Der Dokumentarfilm begleitet die Reise der Neutrinos durch drei unterirdische Observatorien – SNOLAB in Kanada, Super-Kamiokande in Japan und IceCube unter dem antarktischen Eis. Im Laufe des Films kehrt der Erzähler immer wieder zum Thema des Zuhörens zurück: „Wir lauschen auf ein Flüstern.“ „Wir lauschen durch Stein, Eis und Wasser.“ Die Wissenschaftler steigen tief unter die Erdoberfläche hinab, weil, wie der Film erklärt, „die Erdoberfläche voller Störungen ist“. Nur unter der Erde, geschützt vor dem überwältigenden Rauschen der kosmischen Strahlung, können sie hoffen, die fast unmerklichen Spuren zu erfassen, die Neutrinos hinterlassen – jene schwer fassbaren „Boten“, die weitgehend unbemerkt das Universum durchqueren.
Irmert entwickelt eine musikalische Sprache, die aus dieser Art des Zuhörens erwächst. Der Puls wird auf langsames inneres Atmen reduziert, und Harmonie wird zu einer Abfolge schwebender Resonanzen. Anstatt den Zuhörer emotional zu lenken, regt die Musik zum aufmerksamen Zuhören an. Jeder langgezogene Ton und jede sorgfältig gestaltete Stille fordert uns auf, uns mit dem Klang auf ähnliche Weise auseinanderzusetzen, wie die Wissenschaftler mit ihren Detektoren umgehen: geduldig, in Erwartung, dass aus der scheinbaren Stille bedeutungsvolle Signale hervortreten.