Suicide oder Antimusik aus New York
Von Ulrich Gutmair (JungleWorld). Die New Yorker Band Suicide war die erste, die den Begriff Punk für sich reklamierte. Musikalisch hatte ihr provozierendes Gesamtkonzept, bei dem Drumcomputer und Synthesizer zum Einsatz kamen und es weder Gitarren noch Schlagzeug gab, wenig mit dem gemeinsam, worauf Punk im Nachhinein reduziert wurde.
Ein Typ mit Afro und dunkler Sonnenbrille trägt ein knappes schwarzes Oberteil, das zehn Zentimeter Bauch zeigt, dazu schwarze Jeans. Lässig an die Wand gelehnt hält er in der rechten Hand etwas, das wie eine Metallstange aussieht. Sein Kollege trägt kaputte Jeans, einen breiten, möglicherweise mit Nieten besetzten Gürtel und einen Umhang. Seine langen schwarzen Haare hat er mit einem breiten Stirnband fixiert. Die beiden Männer blicken herausfordernd in die Kamera.
Das Duo nannte sich Suicide und provozierte sein Publikum mit einem krassen Sound, der seiner Zeit weit voraus war, und einer exaltierten Performance, bei der oft Blut floss. Das beschriebene Schwarzweiß-Foto stammt aus dem Jahr 1972 und wurde im Mercer Arts Center in New York City aufgenommen. Hier hatten Suicide einige ihrer frühen Auftritte. Untergebracht war es im ehemaligen Grand Central Hotel das am 3. August 1973 aus Altersschwäche einstürzte – auch ein Symbol für den desolaten Zustand der Stadt. Viele der Stammkunden und einige der Bands, die hier aufgetreten waren, zogen weiter ins CBGB, wo der Punk entstand, wie man ihn kennt.
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