Der intellektuelle MythosVon Christian Schärf Vieles spricht für die Tatsache, dass Roland Barthes im Laufe der drei Jahrzehnte seines Wirkens zu…
Er wird im Juni 2020 ein Dreivierteljahrhundert alt. Schon jetzt gastiert er in Wels und wirbt um Verständnis für die Tradition: Anthony Braxton, Saxofonist, Bassklarinettist, Komponist.
https://youtu.be/HNJfU0AJK2c
Die Reichweite seiner jazzmusikalischen Ansprüche stimmt Musiktitan Anthony Braxton (74) auf die jeweiligen Erfordernisse ab. Nimmt er sein Stamminstrument, das Altsaxofon, zur Hand, so kann man sicher sein: Braxton bläst nicht bloß Bebop-typische Ketten von Achtelnoten hinaus in die abgestandene Luft eines Clubs.
Braxton, der gerne Strickjacken trägt, kommt häufig ungekämmt daher. Er gleicht dann einem afroamerikanischen Professor für, schätzungsweise: Raumfahrt und Düsenantrieb. Bevor er mit Blasen loslegt, vermisst er sämtliche Möglichkeiten, die Instrument und Tradition für ihn hergeben. Die Feldforschung des Jazz kennt keine Geringfügigkeitsgrenzen. So lauschte Braxton einst seinem Hund Buffy und entnahm dessen schauerlichem Gebell Anregungen für die eigene, stotternde, dann wieder seidenweiche Intonation („Dog Bark Logics“)…
© DerStandard, Kultur, 23.1.2020
