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Essay: Von Scheitern und Chancen oder Scheitern als Katharsis

Trennung, Insolvenz, ein eingestürztes Haus: Scheitern muss man sich im Zeitalter von Social Media erstmal trauen. Die Realität in Innovation umzuwandeln, sei bereichernd, findet Autor Alexander Krützfeldt. Mit sich selbst ins Gericht zu gehen, hilft.

In der Gelingenskultur des Spätkapitalismus ist Scheitern nicht vorgesehen. Die sozialen Medien feiern Erfolge und verbergen Scheitern. Allenfalls soll man es als Chance begreifen. Es ist an der Zeit, über das Scheitern als Scheitern zu sprechen. Was hilft dir der beste Instagram-Coach oder der durchtrainierte Fitness-Guru, der dir sagt, dein Leben beginne am Ende deiner Komfortzone, wenn du bei deiner Bankberaterin sitzt – mit nichts auf dem Konto? Und der smarte YouTube-Handwerker erklärt dir, wie du Kabel verlegst, wenn das einzige, was du jemals vorher verlegt hast, dein Schlüssel war.

Alexander Krützfeldt ist schon oft auf die Nase gefallen: sechsstellige Bauschulden, Trennung, drei Anläufe für den PKW-Führerschein. Gibt es das also – das Lernen im Scheitern? Oder ist es nur eine weitere Herausforderung, an der man manchmal und eher zufällig ein bisschen wächst? Eine Testbohrung in der Realität.
Alexander Krützfeldt ist Autor für das Zeitmagazin, das FAZ-Magazin und Kolumnist bei der FAZ. Er wurde 1986 in Achim geboren, unglücklicherweise mit einem Bein kürzer als das andere, hat in Marburg und Leipzig studiert und in Fulda sein Volontariat gemacht. Heute lebt er wieder in seiner alten Heimat, Verden an der Aller. Er ist mittlerweile privatinsolvent und hat zwei Kinder.

© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 22.6.2025

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