Jazzkolumne 6.9.21 „Herrlicher Herbst“ von Andrian Kreye
Eine Vorschau auf Neuerscheinungen, darunter Alben von Melanie Charles, Theo Croker, Esperanza Spalding, Pat Metheny und dem guten alten John Coltrane.
Es wird ein herrlicher Herbst werden im Jazz. Die ersten Festivals planen ein Weltklasseprogramm auf richtigen Bühnen. Das Enjoy Jazz Festival im Großraum zwischen Heidelberg und Ludwigshafen zum Beispiel (unter anderen mit Angel Bat Dawid, Theo Croker, Lakecia Benjamin), die Leverkusener Jazztage (Joey Alexander, Kenny Garrett, Lisa Simone) und das Jazzfest Berlin (die ihr Programm bald verkünden). Und auch wenn viele Touren auf 2022 verschoben sind, macht der Blick in die Liste der Neuerscheinungen extrem gute Laune. Hier schon mal eine kleine Auswahl, in vier willkürliche Genres unterteilt.
Jazz neu gehört
Makaya McCraven „Deciphering the Message“ (Blue Note am 19.11.): Selten wird so deutlich, wie anders die Generation des Post-Hip-Hop-Jazz Musik hört, wie auf dem Blue-Note-Debüt des Schlagzeugers aus Chicago. McCraven hat Aufnahmen von Legenden wie Dexter Gordon, Donald Byrd oder Lee Morgan in Loops gesampelt und spielt darüber mit Zeitgenossen wie Joel Ross und Jeff Parker. Klingt verblüffend neu.
Melanie Charles „Y’all Don’t (really) Care About Black Women“ (Verve am 22.10.): Ähnlich radikal geht die Sängerin Melanie Charles mit dem Erbe der großen Diven um. In Collagen aus Archivaufnahmen, Overdubs und Elektronik mit scharfen Breaks und Brüchen ist das nicht nur eine neue Ästhetik, sondern eine vollkommen andere Art, dieses Erbe zu hören.
© Süddeutsche Zeitung, Kultur, 6.9.2021