Release Tipp: Morton Feldman – Palais de Mari. Gespielt von John Tilburry / true blanking
Nach all dem „Krach“, den ich in den letzten Tagen gehört habe, kehre ich gern zu Morton Feldman zurück und genieße die Ruhe, die seine Musik ausstrahlt. John Tilbury ist hier mit einem weiteren Werk von Morton Feldman zu hören: Palais de Mari. Mit einer Länge von nicht einmal 30 Minuten ist es der perfekte Einstieg in die Musikwelt von Morton Feldman. Es ist auch seine letzte Komposition für Klavier. In den Liner Notes von Frank Denyer ist immer wieder die Rede vom Erinnern.
„Abgesehen von kulturellen Erinnerungen wissen wir alle, wie stark bestimmte Musikstücke persönliche Erinnerungen wecken können. Für John Tilbury selbst müssen die Vorbereitung und die Aufführung von „Palais de Mari“ viele Erinnerungen an die enge Zusammenarbeit mit Feldman selbst vor mehr als einem halben Jahrhundert wachgerufen haben – einer Zeit, in der Feldmans Name kaum über einen sehr kleinen Kreis hartnäckiger, aber entschlossener Enthusiasten wie John hinaus bekannt war. Diese Erinnerung, verbunden mit Johns Integrität als Künstler, verbindet uns nun mit der Musik und verleiht dieser besonderen Aufführung ihre einzigartige Authentizität.“ – Frank Denyer
Dadurch haben wir die Gelegenheit, uns selbst zu erinnern, und können uns so auch mit unseren eigenen Gedanken und Erinnerungen auseinandersetzen. An schöne Momente unserer Kindheit und Jugend, die erste Liebe. Ich glaube, dass diese Musik dafür perfekt geeignet ist.

Vor kurzem haben wir Morton Feldmans „For Bunita Marcus“ veröffentlicht, gespielt von John Tilbury und aufgenommen am 1. April 2007 beim I & E Festival in der Dublin Unitarian Church.
Tilbury gilt weithin als einer der führenden Interpreten von Feldmans Musik und hat bereits alle Werke Feldmans für Klavier und Streicher aufgenommen. „Palais de Mari“ (1986) war Feldmans letzte Komposition für Klavier und wurde von der Komponistin und Pianistin Bunita Marcus in Auftrag gegeben. „Palais de Mari“ war dem Maler Francesco Clemente gewidmet und wurde im selben Jahr von Marcus in Clementes Loft uraufgeführt.

In seinen Liner Notes erklärt Frank Denyer, dass sich der Titel auf die Ruinen des antiken Königspalasts in der Stadt Mari bezieht, die heute in Syrien liegt und um 2900 v. Chr. ihre Blütezeit erlebte, um 2500 v. Chr. zerstört, wieder aufgebaut und bis 1759 v. Chr. erneut blühte.
Der Titel eröffnet eine immense kulturell-historische Perspektive als Kontext für das Werk und ruft tiefere Schichten unserer menschlichen Kulturgeschichte hervor, als wir vielleicht erwartet hätten.
Selbst Feldmans Entscheidung, für diesen Titel Französisch statt Englisch zu verwenden, kann als passend angesehen werden, wenn man bedenkt, dass seine Begegnung mit dem Palais de Mari nicht an der syrischen Ausgrabungsstätte selbst stattfand, sondern in Frankreich, wo er einige der erhaltenen Artefakte im Louvre besichtigte. Der größte Teil der Ausgrabungsstätte wurde 2015 vom Islamischen Staat zerstört.